Nettetal: Viele wollen auch zur Miete wohnen

Nettetal : Viele wollen auch zur Miete wohnen

In allen Stadtteilen Nettetals gibt es den Wunsch, dass neue Wohngebiete ausgewiesen wird. Dabei geht es fast ausschließlich um den Bau des Eigenheims. Doch auch die Nachfrage nach Mietwohnungen ist vorhanden.

Die Stadt braucht dringend neue Flächen zum Wohnungsbau, schallt es aus allen Stadtteilen. Denn Nettetal muss wachsen, weil sonst die gesamte Infrastruktur gefährdet ist. Zuerst spüren dies die Schulen, bald die Kindergärten und die Vereine, die stark auf Kinder und Jugendliche fixiert sind. In der Debatte um das Stadtentwicklungskonzept wird von neuen Baugebieten gesprochen — und wie selbstverständlich vorausgesetzt, dass dort individueller Einfamilienhausbau im Mittelpunkt stehen muss.

Preiswerter Wohnraum? "Es gibt kaum Angebote"

Die Nachfrage nach preiswertem Wohnraum zur Miete ist aber auch groß. "Im Prinzip sind Wohnungen immer sehr schnell neu vermietet", bestätigt Hans Moors, Kaufmännischer Vorstand der Baugesellschaft Nettetal AG. Dennoch werden zurzeit nicht sehr viele Mehrfamilienhäuser errichtet. Die Baugesellschaft hat sich zuletzt auf barrierefreie Wohnungen für ältere Bürger sowie für Studenten konzentriert. "Das Förderprogramm für kinderreiche Familien gibt es nicht mehr. Familien mit nur zwei Kindern haben heute schon ein Problem, wenn sie auf Miet-Wohnungssuche sind. Es gibt kaum Angebote, ob öffentlich oder frei finanziert", räumt Moors ein. Die Ausstattung mache sowieso keinen Unterschied mehr.

Die Baugesellschaft bietet Wohnraum in Gebäuden an, von denen 72 Prozent öffentlich finanziert wurden. Im Durchschnitt nimmt sie 4,33 Euro je Quadratmeter als Kaltmiete. Nach dem Nettetaler Mietspiegel wird für eine nach 2009 errichtete Wohnung 6,70 Euro verlangt. "Das ist bei einer 90-Quadratmeter-Wohnung für einen Haushalt dann schon sehr viel", sagt Moors.

Private Investoren halten sich zurück

Private Investoren halten sich dennoch zurück. Sie legen ihr Geld lieber in Projekten an, die höhere Renditen versprechen. Moors rechnet vor, dass die Baugesellschaft für eine öffentlich geförderte Wohnung maximal 4,85 Euro nehmen darf. "Die Zinsunterschiede sind da nicht mehr durchschlagend, und die Förderung haut nicht hin. Die Gesellschaft müsste auf die sonst angestrebte Eigenkapitalverzinsung von 1,5 bis zwei Prozent verzichten. Ein privater Investor wäre selbst damit auf keinen Fall zufrieden."

Moors hat festgestellt, dass sich auch ältere Objekte in den Kernen der größeren Stadtteile vergleichsweise gut vermieten lassen. Wohnungen aus den 1950er- und 60er-Jahren sind zwar kleiner als die aus jüngerer Zeit. Aber sie liegen oft zentral, sind bei der Baugesellschaft stets durchsaniert und auf modernem Stand. Mieten um 3,50 Euro sind gerade auch für jüngere Familien verlockend.

Auf die nächste Zukunft angesprochen, meint Moors, der Mietwohnungsmarkt könne sich demnächst in Nettetal verschärfen. Die Ausweisung von Gewerbegebieten wie Venete werde nicht automatisch nur Bürger anziehen, die ein eigenes Haus neu bauen wollten. Je nach Herkunft des sich neu ansiedelnden Unternehmens werde es vermutlich einen hohen Pendleranteil unter Arbeitnehmern geben. "Statistisch werden etwa fünf Prozent Mitarbeiter in Führungspositionen sein, die vielleicht für mehr als 400.000 Euro hier neu bauen könnten", vermutet Moors.

Die hohe personelle Fluktuation in vielen Firmen sei nicht zu unterschätzen. Es binde sich niemand gerne mit dem Bau eines eigenen Hauses am Standort des Unternehmens, wenn er wisse, dass er schon bald versetzt werden oder das Unternehmen wechseln könnte. Hans Moors rechnet mit einer demnächst steigenden Nachfrage nach Mietwohnungen. Grundstücke dafür sind in der Stadt zurzeit recht rar.

(RP)