Viersen: Vereinbarung für grenzenlose Arbeit

Viersen : Vereinbarung für grenzenlose Arbeit

Die Arbeitsagentur Krefeld-Kreis Viersen und die niederländische UWV ebnen Arbeitnehmern und Arbeitgebern den Weg ins jeweilige Nachbarland. Ein gemeinsames Team berät zunächst einmal in der Woche in Nettetal Interessenten.

Meist sind Menschen längst einen Weg gegangen, auf dem ihnen dann ganz plötzlich auch offizielle Institutionen folgen. Niederrheiner arbeiten in Limburg und umgekehrt. Die Akteure auf dem Arbeitsmarkt kennen sich auch seit Jahren. Aber zu einer offiziellen und strukturierten Zusammenarbeit hat es nie gereicht. Die Lücke haben die Arbeitsagentur Krefeld-Kreis Viersen und der niederländische Gegenpart UWV Nord- und Mittellimburg geschlossen. Operativ gearbeitet wird zunächst einmal in Nettetal und Venlo.

"Die Frage, warum wir uns zu diesem Schritt entschlossen haben, ist berechtigt. Wir haben uns immer ausgetauscht, aber getan hat keiner etwas für eine verbindliche Zusammenarbeit", gestand UWV-Regiomanager Don Thijssen. "Ich hoffe, dass aus grenzüberschreitender nun grenzenlose Arbeit wird. Die Grenze ist nur noch eine Linie", fügte er hinzu. Auch Ingo Zielonkowsky räumte ein, das der niederländische Nachbar lange vernachlässigt wurde. "Wer bei uns im Westen wohnt, schaut nach Osten. Aber es gibt die starke Wirtschaftsregion im Großraum Venlo-Roermond mit vielen Arbeitsplätzen gerade auch für deutsche Fachkräfte", sagte er.

Nach Ostern beginnt die operative Arbeit. In einem Projekt-Team werden für die Agentur ein Eures-Berater, ein Vermittler aus dem Arbeitgeber-Service und eine Fachkraft des Jobcenters Nettetal mit drei Fachleuten der UWV zusammenarbeiten. Sie beginnen mit einem Tag pro Woche, und zwar im Wechsel in der Agentur an der Steegerstraße in Lobberich und im Jobcenter an der Poststraße in Kaldenkirchen. In Venlo richtet die UWV den selben Dienst ein. Das Team widmet sich Arbeitnehmern und Arbeitgebern, die jeweils über die Grenze gehen wollen. Umfassende Kenntnisse des grenzüberschreitenden Wirtschafts- und Arbeitsmarktes bringen die deutschen und niederländischen Teamangehörigen mit. Auf die technische Ausstattung müssen beide Seiten allerdings warten. Datenschutz und Kompatibilität bilden hohe Hürden. Davon will sich keiner aufhalten lassen. "Wir werden einen rechtlich einwandfreien Weg ohne Barrieren finden", versprach Zielonkowsky.

Die Bürogemeinschaft ist eine Premiere für den hiesigen Raum. Es gibt an den Grenzen nach Frankreich und Österreich vergleichbare Kooperationen, auch im Aachener Raum sind die Arbeitsagenturen der drei Nachbarländer enger zusammengerückt. Don Thijssen und Ingo Zielonkowsky wollen das Projekt nicht im Ungefähren lassen: "Wir wollen uns im Markt an Ergebnissen messen lassen", unterstrich Zielonkowsky. Er ist sicher, dass die Grenze auch Chancen bietet: "Es gibt auf beiden Seiten im Arbeitsmarkt Nischen, die von jeweils der anderen Seite erst entdeckt und dann genutzt werden sollte." Anton Platen, der in der Arbeitsagentur seit vielen Jahren grenzüberschreitend arbeitet, ist sicher, dass sie "Engpässe erkunden und mit der Vermittlung verknüpfen wird." Das gilt ganz speziell auch für Schulabgänger und Berufseinsteiger. Thijssen: "Wir bauen eine Brücke."

(RP)