1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Nettetal: Venloer Heide wird Naturschutzgebiet

Nettetal : Venloer Heide wird Naturschutzgebiet

Der Kreis Viersen legte dem Landschaftsbeirat jetzt den Entwurf zu Festsetzungen vor. Das Gremium aus Naturschützern und -nutzern begleitet den Prozess mit einer eigenen kleinen Arbeitsgruppe.

Leuther und Venloer gingen sich hier vor einigen Jahrhunderten gegenseitig an die Krägen, weil sie die Heide für sich allein beanspruchten. Vor 72 Jahren baute Nazi-Deutschland hier einen Flughafen mit mörderischer Wirkung. Nach Kriegsende diente das Gelände jahrzehntelang Briten und Deutschen als Übungsgelände. Jetzt, endlich, soll wieder Ruhe einkehren: Die Venloer Heide im Norden Leuths soll nun ein Naturschutzgebiet (NSG) werden.

Vor knapp vier Jahren gaben die Streitkräfte die Fläche endgültig frei. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz empfahl nach einer fachlichen Prüfung, das ehemalige Militärgelände als Naturschutzgebiet auszuweisen. Der Kreis hat damit begonnen, den geltenden Landschaftsplan für das Areal entsprechend zu ändern. Der Landschaftsbeirat bildete eine Arbeitsgruppe, die sich mit Details auseinandersetzen wird.

Für Naturschützer ist die Entwicklung ein wahres Fest. Denn das künftige NSG verknüpft das Schutzgebiet an den Krickenbecker Seen künftig mit der Grooten Heide auf niederländischer Seite. Das 227 Hektar große Gebiet befindet sich außerdem im Besitz der Bundesrepublik sowie der Stadt Nettetal. Nur 3,5 Hektar sind in der Hand von sechs privaten Waldbesitzern.

  • Nettetal : Venloer Heide ist jetzt Naturerbe
  • Das kleinste aller 88 Sternbilder ist
    Ein Blick in die Sterne : Was 2022 am Himmel über Viersen passiert
  • Beate Guse, 54, arbeitet seit den
    Beate Guse von der Aids-Beratung im Kreis Viersen : „Die Diskriminierung ist schlimmer als HIV“

Viele gefährdete Tierarten

In dem Gebiet leben zahlreiche gefährdete Tierarten, vom Baumpieper und Gartenrotschwanz über Heidelerche, Schwarzkehlchen bis hin zu verschiedenen Fledermäusen sowie Eidechsen und Kröten. Dokumentiert sind außerdem in unterschiedlichen Landschaftsformen auch gefährdete Pflanzen.

Den Menschen wollen die Naturschützer nicht ausschließen. Ein Teil der Wege wird geschlossen — ein dichtes Wegenetz ist typisch für ehemalige Militärflächen —, und es wird ein Betretungsverbot neben Wegen geben. Aber es bleibt viel Raum zum Wandern und Spazieren in großartiger Natur.

Die wird sich im Laufe der kommenden Jahrzehnte verändern. Der Kreis ist bestrebt, die überwiegenden Nadelbäume schrittweise durch Anpflanzungen von Laubwald zu ersetzen. Gezielt sollen Heideflächen gesichert und möglichst erweitert werden. Die Experten wollen so anknüpfen an frühere Nutzungen, Wege derer sich die Leuther und Venloer einst heftig gestritten haben. Die haben nämlich die Heide geplaggt. Bauern bauten Heidepflanzen mit der Rohhumusauflage und einem durchwurzelten Mineralbodenanteil mit Hilfe der Plaggenhacke ab. Die gewonnenen Heideplaggen wurden in Schafställe ausgelegt, um später als Dünger für die Äcker zu dienen. Das Plaggen an sich war schon eine harte Arbeit. Weit weg von den Siedlungsbereichen kam auch noch der Transport dazu. Wer wo plaggte, war immer ein Zankapfel der Venloer und Leuther Bauern.

Zur Umsetzung der Details, die demnächst im Landschaftsplan festgelegt werden, bleiben zunächst etwa zwanzig Jahre Zeit. Schneller ginge das meiste sowieso nicht, denn eine naturnahe Waldentwicklung benötigt Zeit. Die Heide wird nur durch eine Beweidung, beispielsweise durch Schafe, zu entwickeln und zu halten sein. In das Konzept eingearbeitet werden auch die zahlreichen Ruinen des Fliegerhorsts. Die Natur wird sich die Flächen allmählich zurückerobern. Zu den traurigen Pflichten gehört, dass der Kampfmittelräumdienst Bomben und Granaten aufspüren muss.

(RP)