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Nettetal: "Venete" will nachts lieber schlafen

Nettetal : "Venete" will nachts lieber schlafen

Immobilienfachleute sehen in zeitlichen Betriebsbeschränkungen des neuen Gewerbeparks einen schwerwiegenden Fehler. Das Gebiet lasse sich so nur sehr zäh vermarkten, fürchtet die IHK. Sie stellt ihren Gewerbe-Mietspiegel vor.

Der Gewerbepark Venete lässt sich schwieriger vermarkten als gedacht. Ursache ist nach Angaben des Immobilienmaklers Norbert Bienen, dass in dem Gebiet Unternehmen nicht rund um die Uhr tätig sein dürfen. "Es gab Anfragen von einigen Logistikunternehmen. Aber die haben alle abgewunken, als sie hörten, dass sie in Venete nicht 24 Stunden am Tag arbeiten dürfen", sagte Bienen gestern. Ihn verwundere die Einschränkung gerade vor dem Hintergrund, dass die Stadt Agrobusiness ansiedeln wolle. "Frische ist da unabdingbar. Ich denke, dass der Stadtrat da nachbessern muss. Sonst strampeln Wirtschaftsförderer sich vergeblich ab."

Bienen ist Vorsitzender des Ausschusses für Immobilienwirtschaft bei der IHK Mittlerer Niederrhein. Gemeinsam mit dem Viersener Makler Walter Schmitz und IHK-Geschäftsführer Andree Haack (Existenzgründung und Unternehmensförderung) stellte er jetzt den aktuellen gewerblichen Mietspiegel für die Region vor. Der Einzelhandel hat, je nach Standort, erheblich zu kämpfen. Es gebe tendenziell Konzentrationsprozesse auf Hauptorte, in denen die Mietpreise zuletzt tatsächlich leicht stiegen.

Walter Schmitz warnt jedoch davor, die Preisspannen zu überdehnen und damit den Einzelhandel zu überfordern. Generell seien Einzelhändler "treue Mieter", berichtete Haack. Aber auch er warnt: Mietpreise sollten nicht am Gewinnmaximum ausgerichtet werden. Es sollten auch Aspekte wie Persönlichkeit und Langfristigkeit berücksichtigt werden. Anderseits seien Leerstände nicht immer Ausdruck von Trostlosigkeit oder Stagnation. "Einen gewissen Leerstand benötigt der Markt, um zu funktionieren", fügte Norbert Bienen hinzu.

Weder Bienen noch Schmitz erwarten, dass das neue Einkaufszentrum in der Mönchengladbacher City durchschlagend negative Folgen auf Viersen und Umgebung habe werde. In der Kreisstadt selbst sei der Einzelhandel gut strukturiert, allerdings fehlten in der Innenstadt jene großen Flächen, die bestimmte Handelshäuser nachfragten. Die Makler und der IHK-Geschäftsführer raten dringend, individuelle Standortstärken im Einzelhandel zu definieren und profilieren. In Nettetal bewegen sich Mietpreise in einer Breite von fünf bis 13 Euro pro Quadratmeter. Sie gaben damit zuletzt leicht nach.

Nachfragen nach Büroflächen werden nach den Ergebnissen des Mietspiegels und den Markterfahrungen der Profis weitgehend erfüllt. Allerdings seien Auslöser meist Veränderungen am Ort und weniger Zuzüge von außen. In Nettetal werden drei bis sechs Euro pro Quadratmeter für Bestandsflächen nach altem Standard genommen. Im modernen Standard werden Preise von fünf bis zehn Euro erzielt, in diesem Segment sind die Preise seit 2010 erkennbar gestiegen.

"Komfortable" Hallenflächen in Nettetal lagen bis 2010 stabil bei vier Euro je Quadratmeter, sie kletterten danach bis fast auf sechs Euro, geben zurzeit aber wieder etwas nach. "Normale" Hallenflächen werden für 2,50 bis vier Euro vermietet, schlichte Hallen ohne Wärmedämmung und Beheizbarkeit liegen bei 1,50 bis 2,50 Euro. Der gewerbliche Mietspiegel der IHK gilt Unternehmen, Gerichten, Finanzverwaltungen und Gutachtern als wichtige Orientierungshilfe. FRAGE DES TAGES

www.mittlerer-niederrhein.ihk.de (Dokumentensuche, Nr. 99). Print: 15 Euro, Christa Sander, Tel. 02161 241131, sander@moenchengladbach.ihk.de

(RP/rl)