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Nettetal: Unternehmen werben um die Jugend

Nettetal : Unternehmen werben um die Jugend

Viele der Gäste, die sich in der Mensa der Gesamtschule versammelt hatten, betraten Neuland. Unternehmer waren eingeladen, um Informationen aus erster Hand darüber zu erhalten, wie sie jetzt, aber vor allem in Zukunft an qualifizierte Auszubildende kommen. Bisher kamen die Schüler eher zu ihnen als umgekehrt.

"Die Zeiten haben sich geändert: Wir bewerben uns künftig bei den Schülern", berichtete Rainer Lutz von der Firma Pierburg, der die Vorteile des an der Gesamtschule angesiedelten Vereins BaseL aus der Sicht eines Unternehmens vorstellte.

BaseL und die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Nettetal hatten zu dem Abend eingeladen, zu dem gut 50 Wirtschaftsvertreter kamen. Roland Schiefelbein, Leiter der Gesamtschule, zeigte, dass sich die Türen seiner Schule für Firmen geöffnet haben. Gemeinsam müsse man das Potenzial der Jugendlichen fördern, um ihnen eine Perspektive zu bieten.

Die Probleme, die der demografische Wandel auf dem Arbeitsmarkt schon in zehn Jahren verursachen wird, erläuterte Ingo Zielonkowsky, Leiter der Agentur für Arbeit Krefeld. Verließen im Kreis Viersen im Jahr 2010 noch 3546 junge Frauen und Männer die Schulen, werden es 2020 nur noch 2743 sein.

Die Folge: "Vor allem Fachkräfte und Akademiker werden den Firmen irgendwann fehlen", erklärte Zielonkowsky. Daher gelte es, dafür zu sorgen, dass weniger Jugendliche ohne Abschluss die Schulen verlassen. Den Schülern im Publikum riet er, nicht nur auf die zehn beliebtesten Ausbildungsberufe zu schielen, sondern auch Alternativen zu checken und Nischen zu suchen. Immerhin gebe es in Deutschland rund 350 verschiedene Ausbildungsberufe.

Bildung als Standortfaktor

Bürgermeister Christian Wagner betonte einmal mehr, dass Bildung und qualifizierte Arbeitskräfte ein wesentlicher Standortfaktor seien. Die Stadt verstehe sich als Bindeglied zwischen Schulen und Unternehmen. Wagner stellte kurz die Anstrengungen in der Stadt vor — das Zentrum durch Innovation (ZDI) etwa, den Tag der offenen Tür in Nettetaler Betrieben für Nettetaler Schüler oder die Schülerakademie am Werner-Jaeger-Gymnasium sowie andere Projekte an den Schulen der Stadt.

Die berufsspezifischen Angebote der Gemeinschaftshauptschule Kaldenkirchen stellte Markus Klinkhammels vor. Vor allem das achtmonatige Langzeitpraktikum, während dessen die Schüler einmal in der Woche in einem Unternehmen arbeiten, sei eine Erfolgsgeschichte: "30 bis 40 Prozent der Teilnehmer kommen sofort nach dem Schulabschluss in den Beruf."

Ein erster Erfolg des Abends: Der Verein BaseL will nun seine Aktivitäten und Angebote mit denen der Hauptschule vergleichen und mit dieser gegebenenfalls künftig zusammenarbeiten.

(RP/rl)