1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Nettetal: Unruhe an der Wasserstraße

Nettetal : Unruhe an der Wasserstraße

Im Westen von Kaldenkirchen wird ein neues Wohngebiet geplant. Gleichzeitig soll nach über 40 Jahren die Wasserstraße ausgebaut werden. Die Anwohner wehren sich, weil das für sie teuer werden wird.

Die Wasserstraße ist wie viele Straßen in Kaldenkirchen: schmal, einigermaßen befahrbar, an den Seiten franst sie aus. Mehr als 40 Jahre hat die seinerzeit provisorisch angelegte Straße den Anwohnern ihren Dienst getan. Sie ist eine Sackgasse, auch wenn Ortskundige sie als Schleichweg Richtung Wambacher Straße oder Schindackersweg nutzen.

Das ärgert Anwohner. Sie haben in der Vergangenheit ohnehin nie das große Los gezogen. Die ruhige Wohnlage in der Abgeschiedenheit bezahlten sie über Jahrzehnte mit der Obdachlosen-Unterkunft der Stadt am Stichweg "Am Luchtberg". Jahrelang gab es außerdem Asylunterkünfte in Containern. Einer steht noch heute. Aber jetzt ist hier alles unbewohnt. Es herrscht die Ruhe, die die Leute hier immer herbeigesehnt haben. Aber die Stadt hat sie aufgescheucht. Im Innenbereich soll ein kleines Wohngebiet entwickelt werden. Und die Wasserstraße sowie die Straße Am Luchtberg will die Stadt ausbauen. Für 40 000 Euro, getragen nur von der Stadt.

Umlegung geplant

In mehreren Gesprächen mit den Anwohnern haben die Stadtplaner auf das Vorhaben vorbereitet. Die weitaus meisten Grundstücksbesitzer des Innenbereichs, den Wasserstraße und Schindackersweg begrenzen, sind einverstanden mit der Bebauung. Die Grundstücke sollen alle bewertet und in ein Umlegungsverfahren gegeben werden. Denn die heutigen Parzellen kann man so nicht bebauen. Flächen müssen anders geschnitten werden. In den nächsten Monaten wird die Planung konkretisiert und politisch beraten.

  • Mettmann : Anwohner kritisieren neues Wohngebiet
  • Kamp-Lintfort : Stadt startet im Volkspark den Ausbau der Straßen
  • Wermelskirchen : Mehr Klarheit bei Straßenausbau

Das beschäftigt die Anwohner weitaus weniger als vielmehr der Ausbau der beiden Straßen. In der Bürgerbeteiligung machten Bürger deutlich, dass ihnen der heutige Zustand der Straße vollkommen reiche. Sie wollen sie nicht ausbauen lassen, weil die Stadt sie dann zur Kasse bittet. Dass die Stadt in Vorleistung gegangen ist und ihnen die heutige Straße kostenfrei gebaut hat, blenden einige aus. Die Stadt hat Anwohnern vor etwa 40 Jahren geraten, Geld auf die hohe Kante zu legen. Die Straße werde später ausgebaut. Als eine ältere Frau das sagt, wird sie zur Ordnung gerufen: "Halt den Mund, du reißt uns alle noch rein", sagt jemand.

Andere drängen die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche, ihnen zu sagen, warum ausgerechnet jetzt die Straße ausgebaut werden soll und vor allem, was das kostet. Niemand glaubt der Dezernentin, dass Bebauungsplan und Straßenausbau zufällig zum selben Zeitpunkt angepackt werden. Die Beigeordnete redet viel und besänftigt die Bürger, aber zufrieden geht an diesem Abend niemand nach Hause. Ärgerlich ist, dass die Stadtvertreter nicht sagen, was in der mittelfristigen Haushaltsplanung an Zahlen steht: Der Bau der Wasserstraße soll rund 410 000 Euro kosten, die Anlieger müssten insgesamt 315 000 Euro an Beiträgen aufbringen. Das hätte man ihnen erklären müssen. KOMMENTAR

(RP)