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Nettetal: Unbequemes Mahnmal: der Fliegerhorst

Nettetal : Unbequemes Mahnmal: der Fliegerhorst

Am Tag des offenen Denkmals am 8. September steht der Fliegerhorst Venlo im Mittelpunkt. Der Förderverein informiert mit Führungen, Dokumentationen und Vorträgen. Im Atelier van Eyk wird die Zerstörung Venlos gezeigt.

In den Wäldern der Venloer Heide schlummert seit nahezu 70 Jahren ein Hort des Schreckens und vieltausendfachen Todes. Der ehemalige Fliegerhorst Venlo mag ein Zeugnis von Größe und ausgefeilter Kriegstechnik sein. Er war in erster Linie das Werkzeug eines menschenverachtenden Regimes, dem er dank seiner Effizienz im Betrieb ein Stück Überleben sicherte. "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale" ist der Titel des diesjährigen Denkmaltages. Die Stadt Nettetal hat sich entschieden, den Fliegerhorst der nationalsozialistischen Luftwaffe in den Mittelpunkt dieses Tages zu stellen.

Die Rundbogenhalle auf Heronger Gebiet gehört zu den Bauten im Nordlager des Fliegerhorstes. Die Stahlkonstruktion dieses Hangars für Flugzeuge war bei ihrem Bau 1941 eine ungewöhnliche Ingenieursleistung. Foto: Busch

Der "Förderverein Ehemaliger Fliegerhorst Venlo" wird mit dem Atelier van Eyk, das in den Ruinen einer Flugzeughalle am Südrand des Flugplatzes in Leuth liegt, das Programm am Sonntag, 8. September gestalten. Der Verein schlägt mit Hilfe des THW an der Einfahrt von Tor 9 aus ein Zelt auf. Es gibt eine Busrundfahrt für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, geplant sind außerdem zwei geführte Radtouren.

Zusätzlich werden Bilder gezeigt, man hofft, Zeitzeugen begrüßen zu dürfen, die auch über ihre Erinnerungen berichten. Vorträge, Besichtigungen, unter anderem des Mahnmals auf der Grenze zu Venlo, und Modelle sollen ebenfalls zur Information beitragen. Den Fliegerhorst errichteten 1941 niederländische Baufirmen im Auftrag der Wehrmacht. Die Nachtjagd-Flugzeuge griffen Bomberflotten der Alliierten an. Hunderte Flugzeuge wurden abgeschossen, viele Tausend Menschen — Besatzungen und Zivilpersonen am Boden — kamen bei den Luftkämpfen um. Die Nazi-Propaganda verherrlichte den gnadenlosen Luftkrieg, die dunkle Seite des Fliegerhorstes wurde lang verschwiegen: Ab 1943 mussten KZ-Häftlinge aus dem Lager Vught (bei Den Bosch) die Schäden von unmittelbaren Luftangriffen auf den Fliegerhorst beseitigen. Diesen Angriffen blieben sie schutzlos ausgesetzt, es gab unter ihnen zahlreiche Tote.

Im Atelier van Eyk zeigt Huub Smeets noch einmal seinen inzwischen auch in Deutsch vertonten Film über die verheerenden Bombenangriffe auf Venlo im Herbst 1944, als der Fliegerhorst bereits geräumt und weitgehend gesprengt war. Dem Film soll sich eine Diskussionsrunde anschließen. "Mir geht es darum, mit diesem Film den unvorstellbaren Schrecken dieses Krieges wach zuhalten. Ich bedaure sehr, dass dies in deutschen Schulen eine weitaus geringere Berücksichtigung findet als in den Niederlanden", sagte Smeets gestern. Er hat zahlreiche Originalaufnahmen deutscher, niederländischer und britischer Profis und Privatleute zusammengetragen und zu einem Film zusammengefügt.

Nettetals Technische Dezernentin Susanne Fritzsche kündigte an, dass die Stadt und die Verkehrsvereine in den kommenden Jahren einige weitere Ideen für den Tag des offenen Denkmals haben. Im Jahr 2016 fährt die Bahn seit 150 durch Nettetal. Das ließe sich vielleicht mit dem Denkmaltag verbinden. Es gibt weiterhin Überlegungen, sich den Bodendenkmälern zu nähern oder auch der Geschichte der Netteseen durch die Austorfung vor mehr als zweihundert Jahren nachzuspüren. "Das alles braucht Zeit für eine sorgsame Vorbereitung", sagte sie.

FRAGE DES TAGES

(RP)