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Unbekannter stellt Spinnrad vor Textilmuseum "Die Scheune" in Nettetal-Hinsbeck ab

Hinsbeck : Textilscheune sucht unbekannten Spinnrad-Spender

Eines Tages stand vor dem Hinsbecker Museum ein antikes Spinnrad. Walter Tillmann würde sich dafür gerne bedanken.

Walter Tillmann will gerade das große Tor des Textilmuseums „Die Scheune“ öffnen, um eine Führung vorzubereiten, als er vor der Eingangstür daneben ein Spinnrad entdeckt. Der 92-Jährige ist begeistert und stellt bei näherem Hinsehen sogar fest, dass er das Spinnrad wohl selbst vor Jahren restauriert haben muss. Jetzt will er es in der Scheune für Besucher ausstellen – und würde sich beim unbekannten Spender gerne bedanken.

Das Arbeitsgerät mache einen guten Eindruck, sagt der Experte, Diplom-Textilingenieur und Gründer des Hinsbecker Textilmuseums. Das Rad ist vom Typ Geiß, wo die Spindel seitlich etwas höher liegt als das Rad. Es hat ein großes, leichtes Antriebsrad mit vielen schön gedrechselten Speichen, die Standbeine sind kräftig und passend zum Gestänge für Spule, Spinnflügel und den schwenkbaren Rockenstab, an dem beim Spinnen die noch unversponnenen Fasern befestigt werden, angefertigt. Flachs-Leinen-Fasern sind mit einem kreuzweise verschlungenen Band um den Rockenstab befestigt, „so wie meine Frau schon viele Spinnrocken aufgebunden hat“, berichtet Tillmann. Ein Indiz dafür, dass das Ehepaar das Spinnrad einst selbst res­tauriert hat. An den Besitzer von damals kann sich Tillmann allerdings nicht mehr erinnern.

Auf einem Schild auf dem Holz stehen der Name „Katharina Meyer“ und die Jahreszahl 1908, dazu ist das Spinnrad mit Beinkugeln verziert. „Ich nehme an, dass das Spinnrad damals ein Hochzeitsgeschenk war“, sagt Tillmann. „Das Flachsrad muss viele Jahre wohlbehütet und unbenutzt als Erinnerung gedient haben.“ Er würde es gerne in die mehrere Tausend Exponate umfassende Sammlung „Spinnen/Weben + Kunst“ integrieren, um auch andere an diesem Stück Geschichte teilhaben zu lassen. Walter und Hildegard Tillmann haben das Museum 1984 gegründet, als ihr Haus für die private Sammlung zu klein wurde. Unter anderem ist in der Scheune an der Krickenbecker Allee, die sich heute in den Händen einer Stiftung befindet, ein rund 200 Jahre alter Webstuhl zu sehen.

Tillmann würde gerne demjenigen persönlich danken, der dem Textilmuseum das Spinnrad überlassen hat. „Vielleicht gibt mit jemand die Möglichkeit dazu“, sagt der 92-Jährige. Er bittet den Stifter, sich bei ihm telefonisch zu melden unter der Rufnummer 02162 13524.