Nettetal: Umstieg vom Sattel an den Schreibtisch

Nettetal: Umstieg vom Sattel an den Schreibtisch

Mario Piasecki war Olympiareiter für Argentinien. Heute betreibt er einen Handel mit Spitzenpferden von Hinsbeck aus. Namhafte internationale Reiter und Amazonen gehören zu seinem Kundenkreis, den er über den Verkauf hinaus berät.

Mario Piasecki hat zurzeit alle Hände voll zu tun. Am Morgen hat er auf dem Hof am Schenkesweg 1 mit Amerikanern die letzten Verhandlungen geführt und ihnen Pferde verkauft. Nachmittags eilte er dann weiter zum Flughafen. Er holte den international bekannten russischen Springreiter Vladimir Tuganov ab, den er jahrelang trainierte. Gemeinsam fahren sie zum CHIO in Aachen, dem weltgrößten Pferdefest. "Ich treffe und berate dort Kunden", erklärt der 54-Jährige.

Wenn er im Reitsport selbst startet, heißt es bei Mario Piasecki immer: der argentinische Nationenpreisreiter. Für Argentinien war er jeweils zweimal für die Olympischen Spiele und Weltmeisterschaften qualifiziert. Für die Südamerikaner startete er angesichts der großen Konkurrenz in Deutschland. Piasecki half es, dass sein Vater als Staatenloser galt, so dass er selbst komplikationslos für Argentinien reiten durfte.

Vom aktiven Reitsport wird sich Mario Piasecki allerdings zurückziehen. Er will sich darauf konzentrieren, junge Pferde und Reiter zu trainieren. "Wir vermitteln die amerikanische Reitweise", erklärt seine Ehefrau Bettina. Den Turniersport verlässt Piasecki allerdings nicht ganz. Seine Tochter Nina (20), die in Düsseldorf Mediadesign studiert, sitzt fest und erfolgreich im Sattel. Sie hat national und international schon recht gute Platzierungen erritten.

Als sogenannten Bereiter hat Piasecki den Spanier Luis Jesus Escobar gewonnen, der zum spanischen Nationalteam gehört. Escobar bereitet sich mit seinem zehnjährigen Pferd Acodate auf die Weltreiterspiele in Frankreich vor. Er gewann bereits den großen Preis von Valencia. Bei seiner Ankunft am Niederrhein siegte er im kleineren Großen Preis von Sevelen, außerdem war er schon am ersten Juliwochenende in Dülken im S-Springen mit Siegerrunde Zweiter. Der Spanier startete beim Nationenpreis im schwedischen Falsterbo, bei einem CSI mit fünf Sternen. Für ihn war es eine WM-Qualifikation. "Wir stehen auf dem gleichen Level, weil wir beide jeweils für zwei Olympischen Spiele und Weltmeisterschaften qualifiziert waren", meint Piasecki.

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Stolz erzählt er, dass die US-Amerikanerin Margie Engle drei Monate vor der Weltmeisterschaft in Aachen das Erfolgspferd Hidden Creeks Quergo Gold kaufte und damit gleich die Silbermedaille holte. "Sie kaufte das Pferd nur auf Vertrauen am Telefon, ohne es vorher gesehen zu haben", sagte der Geschäftsführer der MP Sporthorses GmbH. Das erfolgreiche Geschäft beschleunigte seine Entscheidung, nicht nur Sport, sondern auch Business mit Pferden zu machen. Ungeschickt ist er darin wohl nicht. So erwarb der Franzose Kevin Staut beim ihm die Stute Zeta de Hus. "Ein Jahr später war er mit diesem Pferd die Nummer eins in der Weltrangliste", erzählt Piasecki.

Zuletzt trainierte er sehr erfolgreich Vladimir Tuganow, den er jetzt nach Aachen begleitet. Der Russe nahm an den Olympischen Spielen 2004 in Athen und 2012 in London teil sowie an der Weltmeisterschaft im amerikanischen Staat Kentucky. "Eine lange Liste von Kunden und Sponsoren in den vergangenen Jahren belegt unsere gute Arbeit", unterstreicht Ehefrau Bettina. So kauften auch die erfolgreiche griechische Springreiterin Athina Onassis und Prinzessin Haya of Jordanien bei Piasecki Pferde. Das Erfolgsrezept klingt simpel, ist aber anspruchsvoll: "Pferd und Reiter müssen zueinander passen", sagt er. Nach dem Verkauf hält er den Kontakt. Er berät Kunden im Training oder bei Turnieren.

Seit einigen Jahren ist Mario Piasecki mit seiner Familie Mitglied im Reit- und Fahrverein Lobberich. Seine Tochter reitet beim 61. Lobbericher Reitsportfestival die regionale und nationale Tour mit. Auch Luis Jesus Escobar sattelt die Pferde. "Wenn er nicht vom spanischen Verband kurzfristig zum Nationenpreis in Gijón abberufen wird", schränkt Mario Piasecki ein.

(off)
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