Tiny Houses aus Nettetal-Kaldenkrichen gegen Wohnungsmangel nutzen

Kaldenkirchen : Leben und arbeiten im Mini-Haus

Der Kaldenkirchener Wolfgang Felzen will den Wohnungsmangel entschärfen — mit Tiny Houses, die nur bis zu 50 Quadratmeter groß sind. Er hält das Gewerbegebiet Kaldenkirchen-West für einen geeigneten Platz.

Kein ausreichendes Angebot, hohe Mieten oder der Wunsch nach einer Konzentration auf das Wesentliche: Die Gründe, in einem Tiny House (englisch für klitzekleines Haus) zu wohnen, sind vielfältig. Unter einem Tiny House versteht man kleine Objekte zwischen zwanzig und 50 Quadratmetern Größe, die häufig auf Rädern stehen. In Zeiten steigender Mieten sind alternative Modelle für das Wohnen heute mehr denn je gefragt: Denn auf kleinem Raum lebt es sich häufig günstiger.

Für viele auch wichtig: Sie sind in einem Mini-Haus auch mehr im Einklang mit der Natur. Wolfgang Felzen, Geschäftsführer der Bosswerk GmbH & Co. KG, beschäftigt sich mit diesem Thema. Er besitzt ein Grundstück in Portugal, auf dem er nicht bauen darf. „Aber man darf etwas hinstellen, das Räder hat“, sagt der 69-Jährige. Also baute er selbst ein Tiny House und stellte es zwischenzeitlich vor seinem Unternehmen in Kaldenkirchen ab, das im Bereich alternative Energien und Solaranlagen tätig ist. „Da kamen so viele Anfragen unserer Kunden, dass ich beschlossen habe, die Häuser selbst zu vertreiben“, sagt Felzen.

Als Nächstes ergab sich dann eine Teilnahme auf der Caravan-Messe in Düsseldorf. „Ab da hatten wir keine Ruhe mehr, haben im vergangenen Jahr ein Dutzend Tiny Houses gebaut“, berichtet Felzen. Die Kunden seien in allen Altersklassen angesiedelt: „Junge Menschen möchten sich nicht 30 Jahre an eine teure Finanzierung binden, um ein Eigenheim zu besitzen“, sagt Felzen. „Ältere Menschen dagegen möchten oftmals sich kleiner setzen, daher erhalten wir auch von Rentnern viele Anfragen.“

Die Fertigung dauere je nach Komplexität zwischen zwei und drei Monaten. Außen bestehen die Tiny Houses von Green-Akku aus dem Holz von unbehandelten sibirischen Lärchen, innen sind sie aus Paulownia-Holz gefertigt. Das stammt vom schnell wachsenden Blauglockenbaum und ist rund 30 Prozent leichter als Fichten- oder Tannenholz. Damit seien die Häuser gewichtssensibel, überschreiten laut Felzen auch nach dem Einbau von Möbeln und Technik nicht die maximal zugelassene Anhängerlast von 3,5 Tonnen.

Ursprünglich stammt die Tiny-House-Bewegung aus den USA, schwappte über Europa auch nach Deutschland. Felzen schätzt, dass es aktuell rund 10.000  der kleinen Objekte in Deutschland gibt. Wenn es nach ihm ginge, sollten es noch deutlich mehr werden, und das auch in Nettetal: „Ich fahre jeden Tag an früheren Venete-Areal vorbei und ärgere mich über das Millionengrab“, sagt er. Dabei biete das jetzt als Nettetal-West vrmarktete Gewerbegebiet viele Möglichkeiten. Felzen gefällt besonders das Gelände links neben dem geplanten Wertstoff- und Logistikzentrum des Kreises Viersen für seine Idee: „Das Gelände ist voll erschlossen. Man könnte dort je 100 Quadratmeter parzellieren, an das Stromnetz und den Abwasserkanal anschließen und mit Tiny Houses bestücken“, sagt er. „Ich bin überzeugt: Die Parzellen würden uns aus der Hand gerissen.“

Laut Felzen sei vor allem die Grenznähe attraktiv. Für Nettetal-West kann sich sich der Unternehmer verschiedene Konzepte vorstellen, von der Erbpacht bis zur Vermietung. Auch er selbst habe als Hersteller der Tiny Houses Interesse daran, einige der Parzellen zu übernehmen.

Zwar gebe es ein großes Interesse am Wohnen in einem Tiny House, bislang aber vergleichsweise nur wenige Angebote an erschlossenen Stand- sowie Bauplätzen, berichtet Felzen. Daher sei die Nutzung des Gewerbegebiets seiner Meinung nach aus mehreren Gründen empfehlenswert: „Zum einen ergibt sich die Möglichkeit, eine erschlossene Teilfläche von Venete sinnvoll zu nutzen und zu vermarkten.“ Dazu komme eine Entspannung der Wohnraum-Knappheit, besonders bei kleinen Wohnungen.

Dafür müsste die zurzeit as Gewerbegebiet ausgezeichnete Fläche zunächst allerdings zu einem Mischgebiet deklariert werden. Konkrete Gespräche zwischen Felzen und der Stadtverwaltung hat es aber noch nicht gegeben.

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