Tier eingeschläfert: Hundebesitzer in Angst vor Ködern

Tier eingeschläfert : Hundebesitzer in Angst vor Ködern

Am Dienstag musste ein Hund eingeschläfert werden, nachdem er einen mit Draht gespickten Köder in den Hinsbecker Höhen gefunden hatte. Die Polizei ermittelt. Es ist nicht der einzige Köder in Nettetal. Die Stadt ruft zur Vorsicht auf.

Es sollte ein schöner Spaziergang werden, doch er endete mit dem Tod. Ein Köder, der mit Draht gespickt war, hat West-Highland-Terrier Joy derart stark verletzt, dass die Hündin am vergangenen Dienstag eingeschläfert werden musste. Ein Schock für Besitzerin Chantal Irmer (28) aus Nettetal-Lobberich und ihre Familie. Auf Röntgenaufnahmen waren deutlich Drähte erkennbar, mit denen der Köder gespickt war, um ein Tier zu verletzen. „Ich bin unheimlich traurig über das, was mit meinem Hund passiert ist. Man liebt sein Tier schließlich über alles“, sagt die 28-Jährige. Seit zehn Jahren sei Joy Teil der Familie gewesen. Besonders der hilflose Blick der Hündin habe Irmer zugesetzt. Am Mittwoch hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Anzeige bei der Polizei erstattet.

Der Tod von Joy könnte kein Einzelfall bleiben. Die Stadtverwaltung Nettetal warnt Hundebesitzer vor Ködern mit Gift oder Draht. Sie sollen zurzeit besonders wachsam sein und auf ihre Tiere noch mehr als üblich aufpassen. „Im Stadtgebiet Nettetal wurden an verschiedenen Stellen Köder gefunden“, erklärt Nettetals Sprecher Jan van der Velden. „Dem Ordnungsamt liegen Hinweise auf mit Draht und Rasierklingen versetzte Fleischstücke und vermutlich vergiftete Trockenfische vor.“ Der Außendienst des Ordnungsamtes will verstärkt kontrollieren.

Am Montag war Chantal Irmer mit ihrem West-Highland-Terrier in den Hinsbecker Höhen spazieren gewesen. Normalerweise sei die Hündin gut abrufbar, daher sei sie auch ohne Leine unterwegs gewesen. „Für einen kurzen Moment hatte ich sie nicht im Blick. Da hat sie wohl wahrscheinlich den tödlichen Köder erschnüffelt“, vermutet Irmer. Gegen 21 Uhr wurde Joy dann sehr ruhig und musste sich übergeben.

Am folgenden Morgen suchte Chantal Irmer ihren Tierarzt auf; dieser schickte sie direkt weiter zur Hundeklinik nach Mönchengladbach. Bei der Untersuchung zeigte sich: Wegen der zahlreichen Drähte im Körper des Hundes wurden dessen Organe derart stark beschädigt, dass die Ärzte nichts mehr für ihn tun konnten. Es blieb nur die erlösende Spritze.

Laut Auskunft der Mönchengladbacher Klinik gibt es immer wieder Fälle, bei denen Hunde durch vergiftete oder verdrahtete Köder verletzt werden – oft ende ein Köderfund auch mit dem Tod des Tieres. Gewissheit, ob der Vierbeiner tatsächlich einem Giftanschlag zum Opfer gefallen sei, könne aber nur eine Obduktion liefern.

Auch bei der Polizei im Kreis Viersen ist die Problematik bekannt. Seit Beginn dieses Jahres wurden dort bereits vier Fälle gemeldet, in denen Tiere auf Köder gestoßen waren. Jedoch werden nur wenige dieser Vorfälle bei der Polizei zur Anzeige gebracht, lautet deren Erfahrung. „Wenn Sie einen Giftköder finden oder nach einem Angriff, bei dem ein Tier zu Schaden kommt, muss explizit Anzeige bei einer lokalen Wache oder unter der Rufnummer 110 erstattet werden“, erklärt Wolfgang Goertz, Pressesprecher der Polizei im Kreis Viersen. „Danach können wir mit der Aufklärung beginnen.“ Die Motivation der Täter sei dabei sehr unterschiedlich.

Ein spezielles Gebiet im Kreis Viersen, in dem vermehrt Giftköder ausgelegt und gefunden worden sind, ist der Polizei zurzeit nicht bekannt.

Was passiert, wenn ein Täter ermittelt werden kann? Bei einer Verurteilung drohen ihm oder ihr eine hohe Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe. „Es klingt leider etwas platt: Aber bei solch einer Straftat handelt es sich um Sachbeschädigung. Vor dem Gesetz werden Tiere als Sache eingestuft“, so Goertz. Und Chantal Irmer? Ihr bleibt nur die Hoffnung, durch ihre Anzeige vielleicht weitere Todesfälle verhindern zu können. Sie hofft, dass „die zuständigen Behörden konsequenter Ausschau nach Giftködern halten“.