Nettetal: Technik in der Oberstufe ist noch selten

Nettetal : Technik in der Oberstufe ist noch selten

Der FDP-Fraktionschef im Landtag, Christian Lindner, besuchte die als "Starke Schule" ausgezeichnete Gesamtschule. Schulleiterin Angelika Eller-Hofmann übt dabei Kritik an Plänen, in Kaldenkirchen eine Dependance einzurichten.

Von der Bibel bis zum Berufseinstieg: Vielfältig waren die Themenfelder, in die Christian Lindner gestern Einblick erhielt. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion besuchte er im Rahmen des Programms "Tags der Bildung" die Gesamtschule Nettetal als "eine der besten Schulen Deutschlands". Sie hatte sie im Bundeswettbewerb "Starke Schule" den dritten Platz erreicht. Schulleiterin Angelika Eller-Hofmann begrüßte ihn höflich, auch wenn die FDP nicht als Förderer von Gesamtschulen bekannt sei.

"Wir sind für ein differenziertes Schulsystem", stellte Lindner klar; in diesem System habe auch die Gesamtschule ihren Platz. Doch entscheidend für die FDP sei in der Schulpolitik der Elternwille, darum müsse es verschiedene Schulformen geben. Er sei nicht von ungefähr nach Breyell gekommen: Er wolle diese Schule kennenlernen, die nachweislich zu den besten im Land gehöre.

Theorie in der Gesprächsrunde mit Lehrern und Politikern; in Lindners Gefolge waren sein Fraktionskollege Dietmar Brockes aus Brüggen und FDP-Kreis-Vorsitzender Wolfgang Lochner. Eller-Hofmann stellte ihnen das Prinzip "Fördern und fordern" vor. Danach fungieren Lehrer als Lernbegleiter, wobei mehr Unterricht Hausaufgaben ersetze. Inklusion im Schulbetrieb und in den Oberstufenfächern die besonderen Schwerpunkte Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz "MINT", seien besondere Kennzeichen der Ganztagsschule.

Es folgt ein Abstecher beim Schulrundgang in den Technik-Raum voller Computer: "Technik als Oberstufenfach ist ein Alleinstellungsmerkmal unserer Schule", unterstrich Schulleiterin Eller-Hofmann dort. Brockes erinnerte daran, dass seine Fraktion im Kreistag den Antrag gestellte habe, die Gesamtschule solle eine so genannte MINT-Schule mit Fachkräften in naturwissenschaftlichen Fächern werden.

Von MINT über Schulsozialarbeit zu baseL: Um die Berufseinstiegsbegleitung in Zusammenarbeit mit Firmen und Unternehmen als weitere Besonderheit der Nettetaler Schule vorzustellen, war Ex-Schulleiter Roland Schiefelbein als baseL-Vorsitzender nach Breyell gekommen. Wie gut die Arbeit in der Praxis funktioniert, erläuterte Berufseinstiegsbegleiterin Sabina Dannenmann: "Gerade hat mir ein Schüler mitgeteilt, dass er nach seinem Schulabschluss einen Ausbildungsplatz vertraglich sicher hat."

Sichtlich beeindruckt wirkten die FDP-Politiker. Es gab viel anerkennendes Nicken bei Lindner, der wesentlich mehr zuhörte, als er fragte. Das blieb so, als er nach so viel Theorie in den Schulalltag in den Klassen reinschnupperte: "Was hat den Petrus bewogen, mit Jesus mitzugehen?", fragte Religionslehrer Lothar Lammers in der Klasse 6a. Die Schüler wussten neben der Ausstrahlung Jesu als Person einen weiteren Grund zu nennen - den Frust vieler Juden über die römischen Besatzer. "Hätten Sie's gewusst, Herr Lindner?", wurde der FDP-Chef hinterher auf dem Flur gefragt, ob er bibelfest sei. Der stutzte, überlegte und scherzte: "Ich glaub schon, Grundkenntnisse habe ich, für Klasse 6 würde es wohl reichen."

Lokale Schulpolitik kam auch nicht zu kurz: So äußerte Eller-Hofmann Kritik an Plänen, das Schulzentrum Kaldenkirchen als Dependance der Gesamtschule einzurichten: "Das würde unser ganzes Konzept zerschlagen." Kein Nachfragen von Lindner, aber immerhin ein Nicken. Das Thema wird in den kommenden Monaten mit Sicherheit kontrovers diskutiert.

(RP)
Mehr von RP ONLINE