Nettetal: Tamilische Schule ist beste Deutschlands

Nettetal : Tamilische Schule ist beste Deutschlands

In der Einrichtung im Brigittenheim unterrichten ehrenenamtliche Lehrer mehr als 20 Schüler in tamilischer Kultur und Sprache. Die Kinder und Jugendlichen wurden am Samstag für ihre Prüfungsergebnisse ausgezeichnet

In der Einrichtung im Brigittenheim unterrichten ehrenenamtliche Lehrer mehr als 20 Schüler in tamilischer Kultur und Sprache. Die Kinder und Jugendlichen wurden am Samstag für ihre Prüfungsergebnisse ausgezeichnet.

Die Freude ist ihr anzusehen: "Natürlich bin ich stolz und glücklich, ich musste sogar weinen, als die Nachricht kam", sagt Rogin Logeswaran aus Leuth. Sie ist ehrenamtliche Lehrerin an der tamilischen Schule Nettetal, und ihre Einrichtung wurde am Samstag in Brühl als beste von mehr als 120 tamilischen Schulen in ganz Deutschland ausgezeichnet.

Maßgeblich für den Erfolg waren die Prüfungsergebnisse und Noten der Schüler. "Das ist eine besondere Ehre für unsere 22 Schüler und für uns acht Lehrer, vielleicht wird die tamilische Schule dadurch auch hier in Nettetal bekannter", sagt die 39-Jährige. Zumal es in diesem Jahr einen runden Geburtstag gibt: "Unsere Schule wurde vor zehn Jahren gegründet."

Für Rogin allemal Gründe zu erzählen, was es mit der tamilischen Schule auf sich hat: "Integration steht für uns im Vordergrund. Ebenso wichtig ist uns, dass unsere Kinder, die hier geboren sind, die Kultur und Tradition ihrer Familien, die Wurzeln ihrer Herkunft kennen", erläutert sie. Genau darum gehe es in diesen Schulen: "Die Kinder lernen die Sprache Tamil in Wort und Schrift, dazu Tradition und Brauchtum, Lieder und Tänze." Auch viele Deutsche legten ja Wert drauf, dass ihre Kinder Dialekt und Brauchtum ihrer Region lernen, in Friesland etwa oder in Bayern.

Die tamilische Schule hat ihren Sitz im Familienzentrum Brigittenheim in Kaldenkirchen. Die meisten Schüler zwischen vier und über 20 Jahren kommen laut Rogin aus Nettetal, einige auch aus der Umgebung. Die nächsten Schulen sind in Viersen und Mönchengladbach. Alle Schulen sind der Tamilischen Bildungsvereinigung in Stuttgart angegliedert.

Dieser Dachverband wurde 1990 gegründet, damals waren Hunderttausende Tamilen vor den Bürgerkriegswirren im südasiatischen Inselstaat Sri Lanka geflohen. Schätzungen zufolge leben heute in Deutschland mehr als 60.000 Tamilen, sie gelten als gut integriert. Die meisten sind Buddhisten, Hindus oder Christen - wie Katholikin Rogin, die sich in der Gemeinde St. Clemens engagiert.

"Wir Lehrer arbeiten ehrenamtlich, die Eltern der Schüler geben einen kleinen Monatsbeitrag, mit dem zum Beispiel die Prüfungsunterlagen bezahlt werden", sagt Rogin. Denn in allen Schulen wird zeitgleich halbjährlich der Lern- und Wissensstand geprüft, in einigen Fächern werden die Unterlagen beim internationalen Dachverband in Paris ausgewertet. Die Prüfungsergebnisse und Noten sind Kriterien für die Bewertung der einzelnen Schulen. Rogin: "In diesem Jahr ist die tamilische Schule Nettetal die beste von allen."

Auch die Kinder von Familie Logeswaran besuchen die tamilische Schule, haben bereits Auszeichnungen erhalten. "Ich bin auch in Sportvereinen, und sonntags gehe ich eben in die tamilische Schule", erzählt der achtjährige Julien, der unter der Woche die katholische Grundschule Kaldenkirchen besucht. Am Samstag wurde er für seine Noten ausgezeichnet, als einer der besten Schüler in Deutschland. Linisha (14) geht aufs Albertus-Magnus-Gymnasium in Dülken: "Ich habe nur deutsche Freunde, aber ich möchte auch die Kultur meiner Familie kennen."

Die 14-Jährige, die 2016 Nettetals Kinderkarnevals-Prinzessin war, gibt zu: "Tamil ist viel schwerer als Deutsch." Was auch daran liegt, dass Tamil fast zehnmal mehr Buchstaben hat als das deutsche Alphabet - mehr als 240. Bedenken, für die tamilischen Kinder könne der Unterricht am Sonntag zusätzlichen Stress bedeuten, hat Linisha nicht: "Das ist zwar in unserer Freizeit, aber es macht Spaß und bringt Vorteile. Denn wenn man gewohnt ist, Prüfungen vor vielen Leuten abzulegen, wird man selbstbewusster, das hilft auch im normalen Schulalltag und später."

Für den Unterricht kleiden sich Eltern und Kinder angemessen, so tragen die Schüler weiße Hemden mit Krawatten. "Ich habe natürlich einen Sari an", sagt Rogin und lächelt. Dafür tupft sie sich auch einen roten Punkt auf die Stirn. Sie erklärt: "Das ist das traditionelle Zeichen für eine verheiratete Frau."

(jobu)
Mehr von RP ONLINE