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Nettetal: Syrien erhält Hilfsgüter aus Nettetal

Nettetal : Syrien erhält Hilfsgüter aus Nettetal

Der Verein "Human Plus" transportiert 200 Tonnen Medikamente, Kleidung und Lebensmittel ins Krisengebiet.

Ein neuer Skandal, eine neue Krise, und schon kippt ein lange währender Konflikt als Gesprächsthema hinten über und fällt in die Vergessenheit. Hilfsorganisationen beobachten dieses Phänomen immer wieder. New Orleans, Haiti, Ostafrika: Kaum sind die schrecklichen Bilder von Naturkatastrophen oder hungernden Menschen aus den Medien verschwunden, verblassen sie auch in den Köpfen der Menschen. Nicht anders sieht es mit Syrien aus, weiß Anestis Ioannidis, Gründer des Nettetaler Vereins "Human Plus": "Die Situation vor Ort ist katastrophal. Es ist beschämend für die westliche Welt, dass man das akzeptiert. Keiner hat ein Interesse daran, die Situation zu verbessern." Fast keiner. Denn der Verein "Human Plus" bringt zurzeit knapp 200 Tonnen Hilfsgüter in die Krisenregion. Hilfsgüter, auf die die Menschen vor Ort angewiesen sind.

Nahrung, Medikamente, medizinisches Equipment — sogar drei voll ausgestattete Krankenwagen werden dieser Tage nach Syrien geschafft. Eine Aufgabe, deren logistischer und organisatorischer Aufwand nicht zu unterschätzen ist. "Wir sind seit 2011 in Syrien aktiv", erzählt Ioannidis. "Zunächst brachten wir die Hilfsgüter über den Libanon ins Land, haben dort die Flüchtlingslager, in denen heute bis zu 70 000 Flüchtlinge leben, und Krankenhäuser versorgt. Doch seit Mai gab es erhebliche Schwierigkeiten und Hindernisse." Ein neuer Weg musste her. Man versuchte es über die Türkei. Doch auch da gab es Probleme. "Mit der Organisation vor Ort in der Türkei hat es nicht gut geklappt, Vereinbarungen wurden nicht eingehalten", schildert Ioannidis. Über private Organisationen hat man es dann geschafft, Hilfsgüter direkt nach Syrien zu bringen. "Im Dezember hat das erstmalig geklappt: 40 Tonnen Medikamente, Babynahrung und anderes konnten wir dorthin liefern."

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Einmal war der Gründer des gemeinnützigen Vereins "Human Plus" bereits in Syrien. Demnächst macht er sich wieder auf den Weg dorthin. Die fünf mit 103 Tonnen Hilfsgüter beladenen Transporter sind bereits in Nordafrika. "Ich fliege hinterher, um zu sehen, dass alles so läuft, wie es geplant ist", erklärt Ioannidis. Ungefährlich ist das nicht. Ioannidis sieht darin einen Grund, dass westliche Organisationen "zu wenig tun. Ich denke das liegt daran, dass die Sicherheitslage schwierig ist. Doch wenn man will, bekommt man das hin."

Durch das große Netzwerk von "Human Plus" sei der Sicherheitsfaktor sehr hoch. Wichtig sei es, sich unauffällig zu verhalten. Die Resonanz der Menschen vor Ort entschädige dafür. "Wir bekommen Bilder und Dankesschreiben von Menschen, denen wir helfen konnten. Das Feedback ist sehr gut." Dem Verein sei daran gelegen, Krankenhäuser aufzubauen und Stabilität zu schaffen. Die Motivation ist ungebrochen: "Die Situation ist anders als bei Naturkatastrophen. Im Krieg wird keine Rücksicht auf Frauen und Kinder genommen. Wir müssen mit Regierungen und Nachbarländern verhandeln. Es tut weh zu sehen, was Menschen einander antun können."

(RP)