"Strichstärke" zeigt Ausstellung "Neu verknüpft" im Textilmuseum in Nettetal-Hinsbeck

Hinsbeck : Künstlergruppe zeigt Arbeiten im Hinsbecker Textilmuseum

Die Mitglieder von „Strichstärke“ aus Mönchengladbach haben sich fast ein Jahr lang mit dem Thema „textiles Arbeiten“ beschäftigt. Die Ausstellung läuft bis 27. Oktober.

Ein ungewöhnlicher und frischer Wind weht derzeit durch die Räume des Textilmuseums „Die Scheune“ in Hinsbeck. Von der Decke hängen ein Zylinder und ein Stiefel aus Draht. Um ein Drahtgerüst herum ist eine Corsage aus Papier geführt. Feinste Webstücke in Weißtönen mit eingeknüpften Fäden hängen an der Wand. Figuren aus Gipsbinden entführen in eine märchenhafte Welt.

Die Mönchengladbacher Gruppe „Strichstärke“ hat sich fast ein Jahr lang auf sehr individuelle Weise mit dem Thema „textiles Arbeiten“ befasst. Nun zeigen die 20 Mitglieder unter dem Motto „Neu verknüpft“ ihre Arbeiten. Im wahrsten Sinne des Wortes werden hier Ideen und Materialien „neu verknüpft“: Silke von Jakubowski häkelt zerschnittene Plastikfolie zusammen. Helmut Schneider knüpft alte Untersetzer auf und verbindet sie zu neuen Bildobjekten. Er ist es auch, der die zarte Struktur von Mullbinden aufgreift und die Fäden verschiebt, sodass Muster entstehen.

Das Atelier „Strichstärke“ existiert seit 22 Jahren. Die Grafikerin, Heilerzieherin und Kunsttherapeutin Barbara John und Sozialpädagogin Yvonne Klaffke leiten die Gruppe, die sich seit 2011 regelmäßig in einem Ladenlokal in der City-Passage in Rheydt trifft. In der Gruppe arbeiten Menschen mit einer Behinderung und sind gemeinsam kreativ. Träger ist die evangelische Stiftung Hephata Wohnen gGmbH. In der Regel wird hier gemalt und gezeichnet. Aber dann kam Susanne Ciernioch, Leiterin der Textilscheune, ins Atelier, begeisterte sich für die Ursprünglichkeit der kreativen Arbeiten und lud die Gruppe zu einer Ausstellung im Textilmuseum ein.

Wie sich herausstellte, hatte das „Textilprojekt seine Tücken“, berichtet Barbara John. Nicht jeder war bereit zu weben oder zu knüpfen. Also schlugen John und Klaffke einen anderen Weg ein: Sie besuchten mit den Gruppenmitgliedern das „Textiltechnikum“ im Monfortsquartier in Mönchengladbach. Die alten Textilmaschinen animierten Michael Gotzen, Marco Houben und Peter Sowinski zu detailreichen und teils exakten gezeichneten und aquarellierten Darstellungen von textilverarbeitenden Maschinen. Inspiriert von einer Aktion im Museum Abteiberg zur Ausstellung „Die Zukunft der Zeichnung: Algorithmus“ entwickelte Friedhelm Wehnert seine „Algorithmen“ aus Dreiecken und Quadraten aus Stoff, die er auf eine Stoffunterlage heftete und nähte. Eine außergewöhnliche Herangehensweise ergab der Zufall: Die Gruppe, die sich dem kreativen Schreiben widmet, entdeckte, was die Textiler so taten und interpretierte eine Landschaft mit dem Vokabular aus dem Textil „Der Nebel legt sich wie ein Schleier vor die Bäume“, zu lesen auf Stoff.

Info Die Ausstellung wird am Sonntag, 21. Juli, um 11 Uhr im Textilmuseum „Die Scheune“, Krickenbecker Allee 21 in Hinsbeck, eröffnet. Sie ist bis zum 27. Oktober immer sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

(b-r)
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