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Streetworker Friedel Plöger fährt mit Spielmobil durch Nettetal

Jugendarbeit in Nettetal : Der Mann mit dem Spielmobil

Morgens kümmert er sich um Jugendliche und ihre Probleme, nachmittags lädt er Kinder zum Spielen ein: Die Aufgaben von Friedel Plöger sind vielfältig. Als Streetworker ist er im ganzen Stadtgebiet unterwegs.

Zu seiner Klientel gehören straffällig gewordene Heranwachsende und junge, überforderte Mütter ebenso wie Jungen und Mädchen, die zu Hause kaum Gelegenheit oder Platz zum Spielen haben.

„Der Begriff Streetwork passt eigentlich eher in eine Großstadt als in den ländlichen Raum“, meint Plöger. Er mache schlicht „mobile Jugendarbeit“. Was bedeutet: „Ich sitze nicht im Büro und warte, wer da kommt, sondern gehe raus, dahin, wo Jugendliche anzutreffen sind, ob auf einem Bolzplatz oder an Bushaltestellen.“ Sich gesprächsbereit zeigen, zuhören können, Unterstützung anbieten, Vertrauen gewinnen seien die Prinzipien der so genannten aufsuchenden Jugendarbeit.

Hat ein junger Mann Bockmist gebaut, ist vielleicht gar mit dem Gesetz in Konflikt geraten, oder hat eine junge Frau Drogenprobleme, so sucht Plöger mit ihnen gemeinsam Wege aus der Krise: „Die Jugendlichen müssen spüren, dass ich sie respektiere“, erklärt der 64-Jährige, der seit zwölf Jahren in Nettetal im Einsatz ist. Mitmenschen zu achten, auch wenn sie womöglich auf die schiefe Bahn geraten sind, das hat er von Anfang an gelernt und praktiziert: „Ich bin ja von Hause aus Diplom-Gemeindepädagoge“, sagt Plöger.

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Achtung vor dem Nächsten also, unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebensstil, prägt seine Arbeit. Nicht von ungefähr ist sein Dienstgeber die evangelische Kirchengemeinde Kaldenkirchen. Die Kirchen in Nettetal leisten als freie Träger die offene Jugendsozialarbeit in der Stadt. Im Alltag indes hat er auch mit anderen Einrichtungen zu tun wie Polizei, Gericht, Drogenberatung: „Wir versuchen immer auszuloten, ob und wie ein junger Mensch eine neue Chance bekommen kann.“ Jeden Fall protokolliert und analysiert Plöger, legt regelmäßig alle Fallzahlen der Stadt vor.

Nicht zählen, nur schätzen kann Plöger, wie viele Kinder nachmittags kommen, wenn er mit dem Spielmobil bestimmte Plätze, im Winter auch Jugend- oder Pfarrheime, in den Stadtteilen anfährt: „Das ist unterschiedlich, mal ein Dutzend, mal 30 und mehr“, berichtet er. Als „der Mann mit dem Spielmobil“ ist Plöger stadtbekannt; seinen zweiten Aufgabenbereich teilt er sich mit seinem Kollegen Simon Henkes von der katholischen Kirche.

Der bunte Kleintransporter enthält jede Menge Kreativ- und Spielmaterial. Kinder und vielleicht auch ihre Familien, darunter geflüchtete und benachteiligte, über das Spielen miteinander in Kontakt zu bringen, ist Plöger ein Anliegen: „Übers Spielen kann Integration gelingen.“ Gezielt steuere man mit dem Spielmobil so genannte soziale Brennpunkte an, in denen manche Familien beengt wohnen, so dass Kinder kaum Platz zum Spielen haben.

Plöger, der aus Moers stammt, verheiratet ist, zwei Kinder hat und in seiner Freizeit Vinyl-Schallplatten sammelt, ist „eigentlich nicht so sehr der Spieler“, wie er über sich selbst sagt. Er sei mehr der Varieté-Typ, könne zaubern, habe früher auch Akrobatik gemacht, sehe sich aber heute mehr als Moderator für Kinder wie für Jugendliche: „Ich bin ja mittlerweile ein älterer Herr mit grauen Haaren“.