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Nettetal: Steuerspiele mit dem Sport

Nettetal : Steuerspiele mit dem Sport

Die Stadt will einen Betrieb gewerblicher Art einrichten, um im Sektor Sport steuerliche Vorteile zu bekommen. Der Stadtsportverband soll die Infrastruktur übernehmen und sich professionalisieren. Ziel: Ein Zentrum für Sport.

Die Stadt wird künftig Gebühren in Sporthallen erheben. Steuervorteile und Sponsoring sollen die Kosten für die Vereine neutral halten. Offen ist allerdings, wie sich das Entgelt faktisch auf die Beiträge für Vereinsmitglieder auswirken wird. Ins Boot holt der Bürgermeister für seinen Plan den Stadtsportverband (SSV), der bereits konkrete Pläne schmiedet. "Wir wollen ein Fachzentrum des Sports installieren, das weitgehend die Infrastruktur selbst verwaltet und gleichzeitig eine beratende Funktion für den Sport und die Vereine hat", erklärte SSV-Vorsitzender Willi Wittmann.

 Den SSV-Vorstand um Willi Wittmann erwartet eine neue Mammutaufgabe.
Den SSV-Vorstand um Willi Wittmann erwartet eine neue Mammutaufgabe. Foto: Busch

Der Sportausschuss verwies das Thema gestern erwartungsgemäß zur fachlichen Beratung in den Stadtsportverband. Treiber der Neuorientierung ist auch hier die angespannte finanzielle Lage der Stadt. Bürgermeister Christian Wagner macht dem Sport den dicken Brocken, den er schlucken soll, schmackhaft. Im Paket will er die Selbstverwaltung und professionalisierte Ehrenamtlichkeit des Sports vorantreiben und steuerliche Vorteile abschöpfen — nur zum Wohl des Sports, wie er versichert.

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Basis wird ein Betrieb gewerblicher Art (BgA). Seit gut zwei Jahren wälzt die Verwaltung Pläne, mehrwertsteuerpflichtige Aufgaben im Sport auszugliedern, um Vorsteuer abziehen zu dürfen. Gelingt der Coup zum richtigen Zeitpunkt in diesem Jahr, fließen allein aus dem Bau der drei Millionen Euro teuren Sporthalle in Kaldenkirchen etwa 250 000 Euro zurück in die Stadtkasse. Überwiesen vom Finanzamt.

Von steuerlichen Fragen allein will Wagner die Professionalisierung des Stadtsportverbandes nicht abhängig machen. Aber es klingt verlockend, dass steuerpflichtige Unterhaltungskosten — das beginnt bei der Reinigung — bereits über einen BgA viel günstiger abgerechnet werden könnten. Wagner versicherte vorab gegenüber der Presse, dass die neue Konstruktion "nicht zu Härten bei Vereinen führen" soll. Über Sponsoring und eine gerechte Verteilung von Lasten und Entlastungen will er dies vermeiden. Auch hier wird der SSV aktiv eingebunden. Wagner setzt "ganz auf das Geschick des Verbandes, komplexe Themen zu lösen".

Beenden will die Stadt auch das gefühlte "Ungleichgewicht" im Sport. Vereine, die Anlagen der Stadt unterhalten, müssen hohe Aufwendungen verkraften. Wer nur Hallensport betreibt, ist frei von solchen Anforderungen. Noch drastischer trifft das Ungleichgewicht Vereine mit eigenen Anlagen.

Auf keinen Fall will Wagner die steuerlichen Vorteile direkt an die Vereine weitergeben. Das wäre faktisch ein Umgehungs-Tatbestand, bei dem die Finanzbehörden ausgesprochen humorlos reagieren. Der SSV hat jetzt wieder eine außerordentlich schwierige Aufgabe zu lösen. Willi Wittmann will sie in seiner vierjährigen Amtszeit lösen. FRAGE DES TAGES

(RP)