Nettetal Steuererhöhung bedroht Tankstellen

Nettetal · Zum 1. Januar erhöhten die Niederlande die Steuern auf Kraftstoffe. Niederländer weichen nun vermehrt ins benachbarte Deutschland aus. Für die niederländischen Tankstellenbetreiber ist die Situation sehr ernst.

 Nun kommen auch die Fahrer von Dieselfahrzeugen aus den Niederlanden zum Tanken nach Deutschland wie hier in Kaldenkirchen. Denn hier ist der Kraftstoff seit Beginn des Jahres günstiger.

Nun kommen auch die Fahrer von Dieselfahrzeugen aus den Niederlanden zum Tanken nach Deutschland wie hier in Kaldenkirchen. Denn hier ist der Kraftstoff seit Beginn des Jahres günstiger.

Foto: Franz-Heinrich Busch

Niederländische Tankstellenbetreiber haben sich zu einer Krisensitzung getroffen. Laut niederländischen Medienberichten bemerkten sie seit Beginn des Jahres einen Kundenrückgang um bis zu 30 Prozent. Der Grund: Zum Jahresbeginn erhöhte die niederländischen Regierung die Steuern auf Benzin, Diesel und Autogas (LPG). Gleichzeitig nahm sie einen Inflationsausgleich vor. Erste Auswirkungen machen sich auf deutscher Seite bemerkbar.

Tanktourismus gibt es seit Jahrzehnten im Grenzgebiet. Meist wichen deutsche Autofahrer mit Dieselfahrzeugen in die Niederlande zum Tanken aus. Aktuell beträgt der Dieselpreis an Venlos Tankstellen nun aber 1,39 bis 1,52 Euro je Liter, ist dort also höher als hierzulande. Und nun fahren die niederländischen Dieselfahrer über die Grenze, um zu sparen — so, wie es die Fahrer von Autos mit Ottomotor wegen der in Deutschland günstigeren Benzinpreise bereits seit Langem taten.

Deutsche Tankstellenbetreiber spüren also erste leichte Zuwächse. "Wir bemerken den Zuwachs schon", sagt eine Frau an der Kasse einer deutschen Tankstelle in Nettetal. "Wir hatten aber immer schon niederländische Kunden." Zahlen kann sie nicht nennen, aber ein Zugewinn an niederländischen Kunden beim Diesel sei bemerkbar.

Der Betreiber einer Markentankstelle in Nettetal ist verwundert, als er die Berichte seiner niederländischen Kollegen hört. Einen Zuwachs von bis zu 30 Prozent kann er nicht bestätigen, er spürt aber durchaus, dass mehr Niederländer bei ihm Diesel tanken. Zu spüren ist, dass die Betreiber sowohl auf der einen Seite der Grenze als auch auf der anderen möglichst wenig über die Thematik sprechen möchten. Vor allem bei den Betreiber der Markentankstellen ist das zu spüren.

"Wir bemerken sicherlich einen Anstieg niederländischen Kunden im Grenzgebiet", sagt Shell-Sprecherin Cornelia Wolber, konkrete Zahlen möchte sie aber nicht nennen. Für den Shell-Gesamtkonzern sei es am Ende aber auch egal, auf welcher Seite der Grenze der Autofahrer tankt — solange er denn bei Shell tankt. "Unser Gewinn in Deutschland wird an den Gesamtkonzern weitergegeben, genauso wie der Gewinn in den Niederlanden", sagt Wolber.

Bei den niederländischen Tankstellenbetreibern sitzt der Frust tief. Sie fühlen sich vernachlässigt. "Wir haben nichts mehr zu tun", schimpft die Betreiberin der Tankstelle Kok an der Grenze in Swalmen. Allein bei LPG machen die "Steuererhöhung und der zusätzliche Inflationsausgleich fast 10 Cent aus". Sie versuche nun, mit anderen Tankstellenbetreibern Druck auf die Politik auszuüben, die Regierung soll die Erhöhung zurücknehmen. Von Seiten der Opposition wurden im niederländischen Parlament bereits kritische Fragen gestellt.

Viele Tankstellenbetreiber an der gesamten Grenze fühlen sich allein gelassen. Für sie könne es zu einer existenzbedrohenden Situation werden, sagen sie. "Die Niederlande haben fast 1000 Kilometer Grenze, und der Preisunterschied zu Belgien ist nochmal größer als der zu Deutschland", sagt die Betreiberin der Kok-Tankstelle. Laut Berechnungen der Regierung seien die Verluste an der Grenze im Vergleich zum Landesinneren nur gering, sagt die Frau. Von ihrem Lobbyverband fühlt sie sich ebenfalls im Stich gelassen: "Der Verband hat nicht hart genug auf den Boden gestampft, als die Steuerpläne vorgestellt wurden." Die Tankstellen im Landesinneren würden nicht begreifen, was das an der Grenze bedeutet.

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort