Nettetal: Stephan Orth kämpft für Opferrechte

Nettetal : Stephan Orth kämpft für Opferrechte

Der 20-jährige Kaldenkirchener ist verärgert über einen Fall möglicher Polizeigewalt in Bayern. Innenminister Herrmann äußerte sich negativ über das vermeintliche Opfer. Seitdem treibt Orth online eine Petition voran.

Der 20-jährige Stephan Orth sammelt intensiv online Unterschriften. Damit will er erreichen, dass sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in einem Fall von Polizeigewalt für seine Aussage im bayerischen Landtag gegen das Opfer entschuldigt. Der Fall selbst beschäftigt im Augenblick die Richter. Orth ist ein aufgeschlossener junger Mann, der politisch aktiv und Mitglied bei Amnesty International (ai) ist. "Ich habe vom Fall Teresa Z. gelesen und war schockiert über die Aussagen des bayerischen Innenministers in diesem Zusammenhang", sagt Orth. Das habe ihn handeln lassen.

Teresa Z. soll im Januar im Polizeigewahrsam von einem Polizisten mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden sein, angeblich aus Notwehr. Ein Bild zeigt sie blutüberströmt und mit geschwollenen Augen und Nase. Sie erlitt einen Bruch an der Nase und an der Augenhöhle. Innenminister Herrmann behauptete im Laufe einer heftigen öffentlichen Debatte, das Opfer habe psychische Probleme.

"Ich fand es schockierend, über diesen Fall zu lesen", sagt Orth, "und dass der Minister sich dazu so äußert, ärgert mich auch." Der junge Mann sieht die Persönlichkeitsrechte von Teresa Z. verletzt. "Woher weiß der Minister das überhaupt, was er behauptet?"

Orth startete über eine Seite im Internet eine Onlinepetition. Darin fordert er den Minister auf, sich bei Teresa Z. zu entschuldigen. "Denn so ist die Frau doppelt zum Opfer geworden. Zum einen durch die Tat und zum anderen durch die sie belastende Aussage", erklärt Stephan Orth. Ihn ärgert die Einmischung der Politik in die Ermittlungen. "Politik muss sich hier neutral verhalten."

Der junge Mann hat zu Teresa Z. keinen Kontakt. Im Zuge der Aktion setzte er sich mit Amnesty International und dem Weißen Ring in Verbindung. Die Menschenrechtler starteten vor einiger Zeit schon, entgegen ihrem Grundsatz, nicht im eigenen Land tätig zu werden, eine Kampagne zum Thema Polizeigewalt in Deutschland. Orth beunruhigt eine, wie er feststellt, Häufung von Berichten über Polizeigewalt. "Ich weiß nicht, ob mehr Fälle öffentlich werden oder Polizeigewalt objektiv zunimmt", sagt er.

Er wünsche sich eine neutrale Ermittlungsstelle für solche Fälle. Orth will nicht missverstanden werden als "Kämpfer gegen Polizeigewalt". Ihn stört Gewalt überhaupt und in jeder Form. "Jeder kann Opfer von Gewalt werden. Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die einem dann wirksam und vorurteilsfrei helfen", sagt Orth. Mit der Abgabe der Petition will er abwarten, bis der Prozess im August abgeschlossen wird. Das Ergebnis der Petition möchte er dem Minister gern selbst überreichen — in welcher Form, weiß er allerdings noch nicht.

(pepp)
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