Nettetal: Starke Schüler gezielt mit Projekten fordern

Nettetal : Starke Schüler gezielt mit Projekten fordern

In einem Modellversuch werden in den achten Klassen der Städtischen Gesamtschule Nettetal die Stärken der Schüler herausgestellt. Befragt wurden dazu Schüler, Eltern und alle Fachlehrer.

Stärken ausbauen, Potenziale erkennen und Kapazitäten von Schülern nutzen — statt die Defizite ihrer Schüler offenzulegen, analysierten die Lehrer der Jahrgangsstufe acht der Städtischen Gesamtschule Nettetal jetzt ausschließlich die besonderen Stärken ihrer Schüler. "Forderung von Leistungsstärke" heißt das Modell, das Stephanie Bones und Christian Hlawa gemeinsam mit ihren Kollegen in den achten Klassen ausprobieren. "Die Defizite der Schüler besprechen wir in Konferenzen ohnehin und fördern sie dann auch entsprechend. Jetzt geht es darum, das Augenmerk auf die Stärken zu richten", sagt Hlawa. Er hat das neue Konzept in einer schulinternen Fortbildung mitentwickelt.

Sei sonst die Frage, wo etwas bei den Schülern verbessert werden könne, werde in der Kompetenzkonferenz nun besprochen, wo die Lehrer die Schüler schon für gut und fit halten, so dass diese Stärken noch ausgebaut werden können. Schon vor der Kompetenzkonferenz, bei der für rund ein Viertel der 120 Achtklässler Projekte zur Forderung ihrer Leistungsstärke entwickelt wurden, hatten sich die Klassenlehrer bei den Schülern selbst über deren Wünsche und Einschätzungen informiert. "Daher glauben wir auch, dass unsere Projekt-Ideen bei den Schülern gut ankommen. Was man gut kann, das macht man auch gerne", sagt Lehrerin Bones.

Die Stärken der Schüler könnten zum Beispiel herausgefordert werden, indem sie sich in einem Fach, in dem sie besonders gut sind, längere Zeit mit einem speziellen Thema beschäftigen. Dazu haben die Lehrer den Leitfaden "Meine Stärke — mein Projekt" erstellt. Der gibt ganz genau vor, wie das Projekt geplant, durchgeführt und später vorgestellt wird. Am Ende bekommen die Schüler ein Zertifikat über diese Arbeit. Forderung von Leistungsstärke beziehe sich aber nicht nur auf Unterrichtsinhalte: "Ist ein Schüler gut im Organisieren, kann er helfen, die Eröffnung der SV-Hütte zu planen. Andere Schüler können bei den AGs oder den offenen Angeboten eingebunden werden oder Konzepte entwickeln, mit denen neuen Schülern strukturiertes Lernen beigebracht werden kann", erklärt Hlawa.

Um solche Fördermaßnahmen zu finden, seien die Kompetenzkonferenzen wichtig. Denn so könnten die verschiedenen Angebote für leistungsstarke Schüler vernetzt werden. "Es kann sein, dass ein Lehrer in seinem Fach bereits begabte Schüler stärker fordert. Da können sich andere Lehrer einklinken, wenn sie Schüler mit ähnlichen Kompetenzen haben", sagt der Lehrer. So würden dann klassenübergreifende Gruppen entstehen, die sich mit einem Thema befassen.

"In den Konferenzen erfahren die Lehrer aber auch von Stärken, die sie selbst vielleicht noch gar nicht bei dem Kind gesehen haben. So sehen sie den Schüler aus einem neuen Blickwinkel", sagt Bones. Sie hofft, dass Schüler, die sonst nicht so gut sind, aber eine besondere Stärke haben, durch das Fordern dieser selbstbewusster werden. Die, die schon überall gut sind, sollen dazu angereizt werden, freie Kapazitäten zu nutzen. Wie gut das Modell funktioniert, werden Bones und Hlawa nach dem Schuljahr auswerten. Dann könnte es in allen Jahrgangsstufen angewendet werden.

(RP)
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