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Nettetal: Stadt will Obdachlosen besser helfen

Nettetal : Stadt will Obdachlosen besser helfen

An der Breslauer Straße 1-5 leben Menschen ohne festen Wohnsitz. Sie haben vielfältige Probleme, die nach Einschätzung der Stadtverwaltung langfristig nicht gelöst werden können. Ein neues Konzept soll helfen

Die Stadt Nettetal will die Zahl der Menschen ohne festen Wohnsitz weiter reduzieren. Dazu stellte die Verwaltung mit Erstem Beigeordneten Armin Schönfeld und Fachbereichsleiterin Ina Prümen-Schmitz jetzt im Ausschuss für soziale Angelegenheiten ein neues Konzept vor. Eine Empfehlung gaben die Mitglieder allerdings nicht ab. Denn die SPD-Fraktion hatte zusätzlichen Beratungsbedarf angemeldet. Diesen Wunsch nach Vertagung entsprachen die übrigen Ausschussmitglieder. Jetzt soll das Thema Wohnungslosigkeit in der nächsten Sitzung des Fachausschusses erneut auf die Tagesordnung kommen - und dann voraussichtlich auch zur Abstimmung.

Zurzeit gibt es an der Breslauer Straße 1-5 in Kaldenkirchen Unterkünfte für Menschen ohne festen Wohnsitz. In dem vorliegenden Bericht zur Ausgangssituation heißt es: "Lediglich ein Mindestmaß an Betreuung wird sichergestellt, um einen ordnungsgemäßen Betrieb der Unterkunft zu gewährleisten und um den Bewohnern ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen." Doch dieses Mindestmaß genüge nicht: "Es kann langfristig nicht den herausfordernden und vielseitigen Problemfeldern der dort lebenden Menschen und den damit verbundenen Bedarf gerecht werden."

Die Menschen, die an der Breslauer Straße untergebracht sind, sind dem Bericht zufolge "teilweise seit vielen Jahren, teilweise bereits in der zweiten Generation, wohnungslos und haben sich dort umfangreich eingerichtet." Rund ein Drittel der Wohnungslosen in Nettetal würde "massive Verwahrlosungstendenzen" zeigen. Der Wohnungszustand sei schlecht, die hygienischen Bedingungen mangelhaft und es gebe kaum Motivation, einer geregelten Gesundheitsfürsorge nachzugehen. "Ohne externe Hilfe, regelmäßige Maßnahmen und engmaschige Kontrollen werden akute Gesundheits- und Existenzgefährdungen bei fortschreitendem Alter der Bewohner zunehmen", heißt es in dem Bericht weiter.

Die Wohneinheiten an der Breslauer Straße 1-5 sind ohne Heizungund mit Kohlen- oder Heizöfen ausgestattet. Die Verwaltung will das Objekt in Zukunft aber anders nutzen: Es soll für Flüchtlinge umgebaut werden. Die Menschen, die jetzt in den Gebäuden Breslauer Straßen 1-5 leben, sollen stattdessen in das Gebäude an der Bahnhofsstraße 9/9a verlegt werden.

Künftig will die Stadtverwaltung auf ein "Individuelles unterbringungs- und Betreuungskonzept" setzen. Dabei soll zum einen der Bedarf der Zielgruppe stärker berücksichtigt werden, außerdem sollen die vielfältigen Probleme stärker in den Blick genommen werden. Zum anderen wird auf eine stärkere Kooperation mit unterschiedlichen Sozialdienstleistern und Beratungsinstitutionen gesetzt. Unterschieden wird im Konzept zwischen einer kurzfristigen Unterbringung, wenn in einer Krise rasche Hilfe gebraucht wird, und einer mittelfristigen Unterbringung.

Geplant sind etwa Notschlafstellen, die sowohl zur Übernachtung als auch zum Aufenthalt am Tag genutzt werden können. Eine Person soll rund um die Uhr an sieben Tagen Aufsicht führen, sich um die Aufnahme und Kontrolle kümmern. Einmal in der Woche soll zudem ein Sozialarbeiter vor Ort sein.

Mittelfristig sollen weiterhin minimal ausgestattete Wohnungen (so gennante Schlichtwohnungen) unterhalten werden. Diese könnten an der Bahnhofstraße 9 untergebracht werden. In einem abgetrennten Gebäudeteil soll die Notschlafstelle eingerichtet werden.

Während langfristig mit dem neuen Konzept die Kosten für die Unterbringung und Betreuung der Wohnungslosen schrittweise sinken werden, werden zugleich höhere Ausgaben anfallen. Das Gebäude an der Bahnhofstraße 9 muss als Notschlafstelle umgestaltet, ein Hausmeister oder eine Aufsicht müssen eingestellt werden. Das Ziel ist es, bis 2020 die Anzahl der Wohnungslosen soweit zu verringern, das ausschließlich einzelne Bereitschaftszimmer den Bedarf decken.

(busch)