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Nettetal: Stadt will Hallengebühr gern ausgleichen

Nettetal : Stadt will Hallengebühr gern ausgleichen

Mit der Gründung eines "Betriebs gewerblicher Art" eigens für Sporthallen erwartet die Stadt Nettetal wichtige Steuervorteile. Die Sportvereine bleiben jedoch misstrauisch. Dies zeigt der Verbandstag des Stadtsportverbandes.

Die "Sportstadt Nettetal" hat in den vergangenen Jahren Enormes geleistet. In Lobberich und Kaldenkirchen wurden zwei neue Sporthallen errichtet. Mehrere Vereine stampfen sich mit hoher finanzieller Eigenleistung Kunstrasen aus ihren Ascheplätzen.

In Leuth und Hinsbeck sind sie fertig, TSV Kaldenkirchen ist durchfinanziert, und SuS Schaag ist auf dem Weg. Zwei schwere Aufgaben stehen aber noch an: Der Stadtsportverband (SSV) muss 2015 seinen Vorsitzenden Willi Wittmann ersetzen, der nach 40-jähriger Führungsarbeit aufhört. Außerdem muss eine solide und ausbalancierte finanzielle Basis geschaffen werden.

Der Verbandstag des SSV hatte darauf nur vage Antworten. Das liegt allerdings auch an der Komplexität einer ganz entscheidenden Weichenstellung für die Zukunft. Die Stadt will einen "Betrieb gewerblicher Art" (BgA) schaffen, über den die Sporthallen verwaltet werden.

Das hieße, dass die Vereine erstmals eine Hallennutzungsgebühr zahlen müssten. Die Stadt möchte gerne die steuerlichen Vorteile einer BgA an die Vereine weitergeben und sie kostenmäßig damit neutral stellen. Dieser finanzielle Ausgleich muss aber so gestaltet werden, dass die Finanzbehörden daran Anstoß nehmen. Ein "Umgehungsgeschäft" als Steuersparmodell ist nämlich nicht erlaubt.

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SSV-Vorsitzender Willi Wittmann ließ keinen Zweifel daran, dass er die Vereine darin bestärkt, sie sollten keine Hallennutzungsgebühr zahlen. Er fürchtet, dass die Vereine so belastet werden, dass sie ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können. Kleinere Vereine mit geringen Hallenstunden kämen vielleicht übers Jahr auf mehrere Hundert Euro.

Aber Großvereine mit breit angelegtem Hallensport müssen mit fünfstelligen Summen rechnen. Der SSV misstraut den Beteuerungen der Stadtspitze. "Sie sollten bedenken, dass einige Vereine bis zum Anschlag finanziell belastet sind und viele Mitglieder Beiträge zahlen, die für sie die absolute Obergrenze bedeuten", warnte Wittmann.

Bürgermeister Christian Wagner sichert dem Sport zu, einen Weg zu wählen, der die Vereine nicht zusätzlich belasten wird. Komme es dann doch zu erhöhten Ausgaben gegenüber ausgleichenden Einnahmen, werde die Stadt über eine "Härtefallregelung" weiterhelfen. Konkrete Fragen aus den vereinen konnte und wollte Wagner nicht beantworten. Die Stadt hat im vergangenen Jahr zwar bei Gesprächen mit dem Finanzamt Kempen erfahren, dass ihr BgA-Modell "grundsätzlich möglich" sei. Aber wie immer steckt der Teufel im Detail. Und über bestimmte Details hat die Stadt mit den Finanzbehörden auch nicht sprechen können.

Sie legt jetzt Rechnungen zum Bau der Sporthalle in Kaldenkirchen aus dem Jahr 2011 vor und hofft auf einen Vorsteuerabzug. Geht alles glatt, müssen die Vereine, die Sporthallen nutzen, mit Gebühren für 2012 rechnen. Wie der Ausgleich für diesen Kostenblock geschaffen wird, bleibt vorerst aber unklar. Wagner will sich wohl auch bewusst nicht in die Karten blicken lassen, solange es kein mit dem Finanzamt abgestimmtes Verfahren gibt. Das Risiko zu scheitern, ist noch zu hoch.

Strukturell soll der Sport, davon einmal abgesehen, künftig auf vier tragfähigen Säulen stehen. Das Jugendamt soll seine professionellen Möglichkeiten in eine enge Kooperation mit dem ehrenamtlichen Sport einbringen. Letzterer soll dabei allerdings unabhängig und selbstbestimmt bleiben. Ähnliches soll mit den Schulen angestrebt werden. Der Sport geht aktiv mit in den Ganztag, erwartet aber auch eine Regelung für den zurzeit kollidierenden nachmittäglichen Schulsport und die Trainingsstunden der Vereine.

Da seien Freiräume dringend erforderlich, meint Wagner. Fördern will er auch den Seniorensport, für den weiterhin kein eigener Sportverein geschaffen wird. Die Belange sollen von den Vereinen abgedeckt werden. Und schließlich soll auch der Behindertensport eine weitere Säule im Konstrukt sein. Hier sind Anpassungen und Änderungen gerade auch durch die Inklusion programmiert.

(RP/EW)