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Nettetal: Stadt verhinderte über 20 Räumungen

Nettetal : Stadt verhinderte über 20 Räumungen

Das Konzept "Vermeidung von Obdachlosigkeit" greift: Die Stadt versucht bei Räumungsklagen zu vermitteln - häufig mit Erfolg. Und die Zahl der Personen in den Notunterkünften sinkt stetig. Obdachlose sollen bei Verwandten wohnen.

Die zurückliegenden Feiertage mit der Familie oder mit Freunden zu feiern, war nicht jedem Nettetaler vergönnt. Allein blieben wohl so manche der über 40 Mitbürger, die in Notunterkünften wohnen. Ihre Zahl hat in den letzten Jahren allerdings stetig abgenommen - auch dank des Konzepts "Vermeidung von Obdachlosigkeit".

"Bewährt" hat sich dieses Konzept nach Ansicht von Sozialdezernent Armin Schönfelder. So gelang es Mitarbeitern des Fachbereichs Soziales bei der Stadt, im laufenden Jahr über 20 Zwangsräumungen aus Mietwohnungen abzuwenden. Liegen etwa hohe Mietschulden vor oder bietet das Verhalten eines Mieters Anlass für eine Räumungsklage, kann das Sozialamt aktiv werden.

Wie es funktioniert, erläutert Silke Büstgens, im Rathaus für den Bereich Obdachlosigkeit zuständig: "Wir versuchen zu vermitteln, motivieren natürlich auch den betroffenen Mieter, selbst zur Lösung der Probleme beizutragen." Oftmals werden Jobcenter, Amtsgericht und Wohnungsbaugesellschaften mit in die Vermittlungsbemühungen einbezogen. "Das funktioniert relativ gut", resümiert Büstgens.

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Warum aber kam es dennoch zu Zwangsräumungen? "Die Einleitung der Räumungsklage wurde in diesen Fällen nicht an das Sozialamt weitergeleitet", erklärt Büstgens. Der Informationsfluss zwischen den Institutionen und Behörden soll deshalb noch weiter verbessert werden. Gerichtsvollzieherin Christiane Klos will laut Büstgens "diese Thematik mit dem Amtsgericht besprechen".

Als letzte Möglichkeit, Bürger etwa nach einer Zwangsräumung unterzubringen, bleibt eine der Notunterkünfte im Schmaxbruch in Breyell oder in der Breslauer Straße in Kaldenkirchen. Manche wohnen dann langfristig dort, zum Beispiel "weil ihre Verhaltensweisen keinem externen Vermieter zugemutet werden können", deutet Büstgens an.

Positiv hingegen weiß die Expertin zu vermelden, dass acht Personen aus Notunterkünften in ein "reguläres Mietverhältnis" zurückkehren konnten. Eine Erfolgsmeldung auch deshalb, weil Vermieter häufig eher skeptisch sind, wenn jemand vorher ohne eigene Wohnung war. Meist wird zudem eine "Bonitätsauskunft" verlangt, was Büstgens als "zusätzlichen Hinderungsgrund bei der Vermittlung von Betroffenen in ein reguläres Mietverhältnis" nennt. Weiteres Problem: "In Nettetal gibt es zu wenige Single-Wohnungen".

Wohnungsmarkt hin oder her - manchmal bleiben kurzfristig noch andere Möglichkeiten. "Insbesondere das Ausschöpfen familiärer Ressourcen hat sich als hilfreich erweisen", berichtet Silke Büstgens und meint damit: "Oftmals können die Betroffenen vorübergehend bei Verwandten leben."

Zumindest diese Wohnungslosen konnten so vielleicht im familiären Kreis feiern.

(jobu)