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Nettetal: Stadt lobt Prämie gegen Abfallsünder aus

Nettetal : Stadt lobt Prämie gegen Abfallsünder aus

Weil einige Bürger und Gewerbetreibende ihren Müll irgendwo hinwerfen, ist der Stadt der Geduldsfaden gerissen.

Die Stadt Nettetal wird künftig strikter gegen Verursacher wilder Müllablagerungen vorgehen. Sie bittet Bürger jetzt ganz explizit um Hinweise auf die Täter und setzt dafür eine bescheidene Belohnung von 50 bis 100 Euro aus.

Am Begriff der "Fangprämie", den Kämmerer Müller als Überschrift zur Vorlage im Hauptausschuss gewählt hatte, schieden sich zwar die Geister. Aber auch in der Politik ist jetzt der Geduldsfaden gerissen. Es sei nicht mehr zu akzeptieren, dass sich einige wenige Privatleute und Gewerbetreibende über Regeln hinwegsetzen und auf Kosten der Allgemeinheit ihren Abfall irgendwo abladen.

Die Stadt hatte auf Betreiben der Politik zum Jahresende alle Papiercontainer abgebaut und die Zahl der Glascontainer verringert. Jeder kann eine zusätzliche oder auch eine größere blaue Tonne ordern, außerdem ist die Abfuhr von Papier auf drei Wochen verkürzt worden. Das scheint einigen Leuten vollkommen egal zu sein. Sie entledigen sich ihres Abfalls - beileibe nicht nur Pappe und Papier, sondern auch Lacke und Farben oder gar Bauschutt - weiterhin nach Gutdünken.

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Mitarbeiter der Stadt haben Müllhaufen durchsucht und mithilfe von Adressen, die darin gefunden wurden, mögliche Täter aufgespürt. Es gab Gerichtsverfahren, bei denen die Stadt stets unterlag. Sie muss zweifelsfrei nachweisen, dass jemand die Tat beging. Da die Verwaltung nun nicht überall im Stadtgebiet Aufpasser hinstellen kann, bittet sie die Bürger um Hilfe. Hans Overhage (ABN) wunderte sich zunächst einmal über den Vorschlag. Er hatte am Kaldenkirchener Marktplatz Anwohner befragt, ob sie denn nicht von sich aus etwas unternähmen. Die Antworten fielen resignierend aus. "Die Stadt unternimmt ja doch nichts", sei eine vielfache Erfahrung gewesen.

In den Fraktionen haben die Politiker den Vorschlag der "Fangprämie"sehr kontrovers beraten. Aber das Verständnis dafür, dass der Geduldsfaden irgendwann reißt, ist ebenfalls vorhanden. Brennende Papiercontainer, vermehrtes Auftreten von Ratten und anderem Ungeziefer und auch der Ärger darüber, dass die Allgemeinheit im vergangenen Jahr für die Beseitigung der Abfälle rund 10 000 Euro haben ursprüngliche Bedenken zurücktreten lassen.

Natürlich sei auch diskutiert worden, ob man die Bürger letztlich auffordere, andere zu denunzieren, meinte beispielsweise Renate Dyck (SPD). Aber der fromme Wunsch, man müsse "die Bürger sensibilisieren" (Dyck) und ihnen nur "gut zureden" (Hans-Willy Troost, FDP), hilft auf Dauer nicht weiter. "Inzwischen missachten eine Menge Bürger Regeln des Zusammenlebens. Es geht darum, Zeugen zu finden, weil wir sonst nicht gegen Täter weiterkommen", stellte Troost fest.

Es sei die indirekte Aufforderung so weiterzumachen, wenn man nicht endlich wirksam reagiere. Von Denunziation will auch die CDU nichts wissen. "Aus unserer Sicht ist das eine Belohnung, das ist im Strafrecht ja auch häufig üblich", meinte Ingo Heymann. Auch in der WIN-Fraktion ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Es verlange viel Courage, jemanden anzusprechen, der seinen Müll gerade abgeladen hat. Böse Gesten und aggressive Kommentare seien erfahrungsgemäß nicht selten. Dass in der städtischen Satzung über Ordnungswidrigkeiten zum Thema Abfall ein Bußgeld von 250 bis 500 Euro (bei Vorsatz) festgelegt ist, wunderte einige Politiker auch. Der Tarif sei ja recht gering.

(RP)