Sprachforscher Peter Honnen zu Gast in der Stadtbibliothek in Nettetal

Lesung in Breyell : Kappes reden und Kappes essen

Der Sprachwissenschaftler Peter Honnen erklärte in der Stadtbibliothek die rheinische Alltagssprache.

Wie Martin Luther vor 500 Jahren hat auch Peter Honnen in den vergangenen Jahrzehnten „dem Volk aufs Maul geschaut“. Er machte sich an die Erforschung der Alltagssprache im Rheinland, die er zwischen Dialekt und Tagesschau-Hochdeutsch einordnet. Dabei hat er festgestellt, dass Luthers Bibelübersetzung für die niederdeutsche Sprache im Rheinland „eine Katastrophe war“, weil er sich überwiegend am Oberdeutschen orientierte, das rund um die Wartburg in Eisenach gesprochen wurde. Trotzdem (oder deswegen?) sei die „rheinische Sprachlandschaft die vielfältigste in ganz Europa“, stellte er bei seinem Besuch innerhalb der Nettetaler Literaturtage in der Stadtbücherei in Breyell fest.

Honnen nahm seine Zuhörer mit auf eine amüsante Wanderung durch die Sprachgeschichte an Rhein und Maas, die schon vor den Kelten beginnt und vorerst bei den Polen endet. Dass die Germanen viele Kulturwörter von den Römern übernahmen, zeige nur, dass „sie von nix 'ne Ahnung hatten“. Und wir „Heutzutagigen“ haben keine Ahnung, wie alt manche Wörter sind und woher sie stammen.

„Trottoir“ (Bürgersteig) oder „Portemonnaie“ (Geldtasche) sind keineswegs Überbleibsel der Franzosenzeit vor 200 Jahren, sondern gehörten schon viel früher zum Sprachschatz des Adels. Auch die „Fisimatenten“ oder das „Fisternöllche“ haben so wenig mit Frankreich zu tun wie das „Malochen“ mit Polen. Und der Kappes? Der ist einmal der Weißkohl, der auf das lateinische „caput“ (Haupt) zurückgeht, und zum anderen im Rotwelschen der Kohl mit der Bedeutung „Unsinn, Scherz, sinnloses Gerede“. Auf jeden Fall hat, so Honnen, „der essbare Kohl mit dem unsinnigen Kohl nichts zu tun“.