Nettetal Sprachförderung kann man nicht erzwingen

Nettetal · "Man kann ein Kamel zur Tränke führen – aber trinken muss es alleine", dieses Bild bemühte Christa Geritz (WIN-Fraktion) in der jüngsten Sitzung des Integrationsrats. Dort war berichtet worden, dass 16- bis 18-jährige Berufsschüler mit Migrationshintergrund kaum Interesse an freiwilligen Sprachförderkursen haben. Zuvor hatte Vera Gäbler (CDU) nachgefragt, ob mehr "Einwirkung durch die Schule" zu mehr Erfolg führen könne.

"Man kann ein Kamel zur Tränke führen — aber trinken muss es alleine", dieses Bild bemühte Christa Geritz (WIN-Fraktion) in der jüngsten Sitzung des Integrationsrats. Dort war berichtet worden, dass 16- bis 18-jährige Berufsschüler mit Migrationshintergrund kaum Interesse an freiwilligen Sprachförderkursen haben. Zuvor hatte Vera Gäbler (CDU) nachgefragt, ob mehr "Einwirkung durch die Schule" zu mehr Erfolg führen könne.

Sehr positiv sind die Sprachförderkurse an der Hauptschule Lobberich, wo 14 Schüler aus den Klassen 5 und 6 in drei Lerngruppen konstant mitmachen. Nach Fertigstellung der Mensa läuft auch die Sprachförderung an der Realschule in Kaldenkirchen mit zehn Kindern in zwei Lerngruppen gut. Anders dagegen verhält es sich im Berufskolleg. Dort nahmen im vergangenen Jahr noch 16 Schüler teil. In diesem Jahr nur noch drei, "für die sich aber die Mühe lohnt". Dies unterstrich das Ehepaar Jahnke, das hie ehrenamtlich unterrichtet.

Ältere schwer zu erreichen

Die sehr ernsthaft lernenden Schüler kommen aus Polen, Russland und Syrien. Generell sei es aber schwierig, ältere Jugendliche zum regelmäßigen Besuch des Sprachkurses zu bewegen. Im Vorjahr kamen nach intensiver Werbung durch die Schule 16 Schüler Viele seien unregelmäßig gekommen und hätten gefragt: "Warum sollen wir Deutsch lernen, wir kriegen sowieso keinen Job."

Studiendirektor Rudi Wilmen unterstütze die Arbeit am Berufskolleg sehr, aber Druck sollte möglichst nicht noch zusätzlich ausgeübt werden, sagen die Jahnkes. Es sei auch müßig, mit überhaupt nicht interessierten Teilnehmern ständig über den Sinn der Förderkurse zu diskutieren. Und ebenso wenig mache es Sinn, dass einige Schüler kurz vor einer Klausur kämen, um dann intensiv zu pauken. Das hat das Ehepaar den Schülern auch deutlich gemacht. Ohne Kontinuität lasse sich eine Sprache nicht erlernen.

Mit der Zeitung gelernt

Tahir Yavuz, der Vorsitzende des Integrationsrates hat in weiterführenden Schulen mit seinem Lebenslauf für das Lernen der deutschen Sprache geworben: "Wer lernt, hat bessere Chancen. Ich bin im Gymnasium im Deutschkursus an das Zeitunglesen herangeführt worden und habe dadurch sehr viel gelernt. Nicht nur die Sprache, sondern auch vieles über Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft erlesen. Ich biete weiterhin an, in Schulen bei Schülern mit Migrationshintergrund für das Lernen und die Integration zu werben", fügt er hinzu. Seine Erfahrung: "Bei der Bewerbung spielt nicht die Herkunft, sondern das Können die entscheidende Rolle." FRAGE DES TAGES

(RP)
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