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Kreis Viersen: Späte Specht-Küken, grüne Erdbeeren

Kreis Viersen : Späte Specht-Küken, grüne Erdbeeren

Auch wenn sie auf die Stimmung drücken: Die trüben, regnerischen Maitage schaden der Natur kaum. Die Landwirte beklagen allerdings das verzögerte Wachstum vieler Obst- und Gemüsesorten. Eine Wetter-Zwischenbilanz.

Wer sagt eigentlich, dass Frühling Sonne und Wärme bedeutet?! Die Natur kommt mit den Wetterkapriolen gut zurecht: Die Kröten haben sich später auf den Laich-Weg gemacht, die Jung-Spechte bleiben länger in ihren Brutkästen, und die Meisen haben gewartet, bis genug Insekten als Babynahrung unterwegs waren, bevor sie mit dem Brüten angefingen.

Durch den frostigen Februar, den kalten März und trocken-trüben April sind viele Pflanzen und Tiere später in die Gänge gekommen. Das ist aber nicht weiter tragisch. "Die Natur lebt seit vielen 1000 Jahren mit solchen Unregelmäßigkeiten", sagt Peter Kolshorn, Schutzgebietsbetreuer bei der Biologischen Station Krickenbecker Seen. So ermitteln zum Beispiel bei den meisten Singvögeln die Weibchen vor dem Brüten, ob es genug Nahrung gibt. Und die Eulen richten an der Menge der Mäuse aus, wie viele Eier sie legen. Nur die Graugänse sind die Verlierer dieses Frühjahrs. "Die meisten haben die Brut aufgegeben. In diesem Jahr wird es fast keine Jungen geben", sagt der Biologe.

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Die starken Regenfälle in der vergangenen Woche hält Kolshorn nicht für dramatisch. Die Krickenbecker Seen haben jetzt gerade einen normalen Wasserstand erreicht. "In unserer Vorstellung bedeutet Frühling meist Sonne und Wärme. Dabei ist es genau die Jahreszeit, in der wir den Regen brauchen", sagt Kolshorn.

Den Regen beklagen auch die Landwirte nicht. "Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun' und Fass", rezitiert Kreislandwirt Paul-Christian Küskens ein Sprichwort. Doch die Lage ist nicht überall heiter. Zwar ging die Obstblüte in diesem Jahr gut und ohne Frostschäden über die Bühne, doch viele Obst-und Gemüsebauern sind mit Anbau und Ernte im Rückstand.

"Wir haben dicke drei Wochen Verspätung", sagt der größte Spargelbauer am Niederrhein, Willi Bonnacker. "Beim Spargel werden wir das nicht mehr mehr aufholen, denn am 24. Juni ist Schluss."

"Insgesamt haben wir 20 bis 30 Prozent weniger Ernte-Erträge", schätzt Bonnacker. Zum Glück haben wir heute alle Folien im Einsatz. Sie speichern die Sonne und dienen als Wärmepuffer, selbst wenn es insgesamt kühl ist." Doch die geringere Ernte-Menge hat auch einen Vorteil: "Die Preise sind stabil. Es gibt kein Überangebot", sagt der Spargelbauer aus Kaldenkirchen. Normalerweise würden die Preise nach Pfingsten sinken. Doch in diesem Jahr verhält sich auch die Preisentwicklung ungewöhnlich. Die Spargelpreise sind konstant hoch.

Im Verzug sind auch die Erdbeeren. Besonders im Freiland muss sich Bonnacker noch mit der Ernte gedulden. Nach Sonne für seine Erdbeeren und sein Gemüse sehnt sich auch Gemüsebauer Mark Bonus aus Niederkrüchten: "Salat, Kohlsorten, Rettich, Fenchel, sie alle können eine gute Portion Sonne vertragen. Alles wächst langsamer, weil Licht und Wärme fehlen."

"So ein Frühjahr habe ich noch nicht erlebt: Schon das Setzen war schwierig, weil im Februar lange eine geschlossene Schneedecke lag. Gerade von den teuren Jungpflanzen standen viele zu lange im Kühlhaus und konnten nicht mehr gepflanzt werden", erzählt der Gemüsebauer aus Niederkrüchten. Dann machten ihm Trockenheit und Nachtfröste zu schaffen: "Wenn man die Pflanzen beregnet hat, bestand die Gefahr, dass sie befrieren. Aber wenn man sie nicht beregnet hat, standen sie kurz vor dem Vertrocknen." Nur dem Porree habe das Wetter gut getan. "Das kühle Wetter hat sein Wachstum verlangsamt und seine Saison verlängert."

Mais hingegen ist mickrig geblieben. "Er ist ganz gelb, weil es zu kalt zum Wachsen ist", sagt Kreislandwirt Küskens. "Wenn ich es mir wünschen könnte: 20 Grad und zwei bis drei Mal Regen pro Woche. Das wäre ideal." Doch die Aussichten für die kommenden Tage sehen anders aus: kühler und mehr Regen. Nur den Kühen mache das nichts aus, weiß Küskens. "Sie bekommen erst ab 25 Grad ein Problem. Bei den jetzigen Temperaturen stellen sie sich auch gern mal mit dem Hintern in den Regen."

(RP)