So entstand das Naturschutzgebiet Krickenbecker Seen

Naturschutzgebiet: Wie aus Sümpfen Seen wurden

Die Krickenbecker Seen entstanden durch den Abbau von Torf in Niedermooren. Ohne Pflege- und Ausgleichsmaßnahmen würden die Seen wieder versumpfen.

Viel Betrieb seit eh und je ist auf dem Weg zwischen Hinsbecker und Glabbacher Bruch. Spaziergänger und Radfahrer bevölkern bei schönem Wetter den Damm, auf dem früher Arbeiter mit Lastkarren Torf abtransportierten. Denn die Seen rund um Schloss Krickenbeck in Hinsbeck-Hombergen waren ursprünglich Sumpfgebiete, konnten erst durch Torfabbau entstehen. „Die Ausgrabungsflächen füllten sich relativ schnell mit Wasser, die Seen waren früher viel größer als heute“, sagt Ansgar Reichmann. Noch immer, berichtet der Leiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen, verändere sich die Landschaft.

Längst sind die Seen zum Paradies für sonst seltene Tier- und Pflanzenarten geworden – und zum Mekka für Naturfreunde und Ausflügler. „Gott sei dank hat man früh erkannt, dass sich hier eine Flora und Fauna entwickelt wie sonst kaum im Rheinland und die Gegend schon 1938 unter Schutz gestellt“, sagt Reichmann. So ist das Naturschutzgebiet Krickenbecker Seen eines der ältesten in Nordrhein-Westfalen – mit hohem Freizeitwert. Die stille Idylle des Schrolik lässt sich vom Aussichtssteg genießen, und vom Damm aus sind nahezu immer Wasservögel, Libellen und Amphibien zu beobachten.

Wo sich heute Wolken in Wasserflächen spiegeln, hatten sich ursprünglich Niedermoore in den Auen von Nette und Renne gebildet. Hier verdienten sich vom 16. bis ins 19. Jahrhundert viele Menschen in der Region ihren Lebensunterhalt durch den Abbau von Torf. Das in Mooren zersetzte Pflanzensediment war vor allem als Brennmaterial begehrt. Harte Arbeit, und doch wollen möglichst viele was abhaben von der Einnahmequelle. So berichten Chroniken von Reibereien, schließlich wollten etwa Leuth und Herongen, Venlo und Geldern ihre Gebietsansprüche durchsetzen. Doch die Ressourcen waren begrenzt, im 19. Jahrhundert lohnte sich der Abbau nicht mehr.

Ist für Historiker die Entwicklung in der Region spannend, so ist sie für Geologen geradezu aufregend. Denn das Naturschutzgebiet liegt in einer unruhigen Gegend. Fachleute sprechen von einer tektonisch aktiven Zone zwischen der Krefelder Scholle mit den Süchtelner und Hinsbecker Höhen, die sich hebt, und der Venloer Scholle, die sich absenkt. Erdbebenträchtig also, drücken doch unterirdische Schichten gegeneinander, mehrere Millimeter Höhenverschiebungen werden jährlich gemessen. Weshalb Josef Klostermann, ehemals Direktor des Geologischen Dienstes NRW, bei einem Vortrag im Info-Zentrum der Biologischen Station prognostizierte, Nettetal könne irgendwann von der Krefelder Scholle wegbrechen und wieder versumpfen.

Aber auch ohne geologische Katastrophen verändert sich Landschaft. „Die Seen sind ja relativ flach, erwärmen sich schnell, sodass sich schon bald nach dem Ende des Torfabbaus wieder organische Sedimente absetzten“, sagt Riechmann. „Heute kommen dazu Einträge aus der Landwirtschaft, die die Nette mitführt.“ Die Folge: „Die Seen verlanden mehr und mehr.“ Deshalb versuchen die Mitarbeiter der Biologischen Station durch Pflegemaßnahmen ein möglichst natürliches Gleichgewicht zwischen Röhrichtzonen, Verlandungsbereichen und Wasserflächen zu erhalten.

Sie sind halt eine Kulturlandschaft, die Krickenbecker Seen, entstanden durch Eingriffe des Menschen in die Natur. „Da ist man natürlich in der Pflicht, der Natur unter die Arme zu greifen“, sagt Reichmann. Ausgleichsmaßnahmen wie „Röhrichtoptimierungen“ und „Renaturierungen von Mooren“ im Umfeld passieren im Bewusstsein, wie die Krickenbecker Seen entstanden, erklärt Reichmann: „Unter dem Dammweg zwischen Hinsbecker und Glabbacher Bruch befindet sich ja noch immer eine Torfschicht.“