Nettetal: Seenstadt ohne Strandbad

Nettetal: Seenstadt ohne Strandbad

Die Seenstadt Nettetal hat inzwischen keinen ausgewiesenen Badesee mehr. Die Strandbäder Krickenbeck und Poelvenn haben geschlossen. Auch weil die DLRG keine Rettungsschwimmer mehr zur Verfügung stellen kann.

Die letzten Sommer sind für Karl-Peter Pelzer sprichwörtlich ins Wasser gefallen. In diesem Jahr scheint es nicht anders zu sein. Aber nicht nur das Wetter macht dem Betreiber des Strandbades am Hinsbecker Bruch einen Strich durch die Rechnung, sondern auch der Mangel, an Badeaufsicht. "Ich habe versucht, Bademeister zu bekommen, aber es gibt da wohl Personalmangel", erklärt der Betreiber vom Restaurant "Krickenbecker Seen".

Nur zehn Rettungsschwimmer

Andreas Meeners, Geschäftsführer der DLRG-Ortsgruppe Nettetal, bestätigt: "Wir brauchen für diese Wachdienste ausgebildetes Fachpersonal. Aber unter der Woche müssen unsere ehrenamtlichen Kräfte auch arbeiten." Es sei schwierig, freiwillige Helfer zu finden, die bei Wind und Wetter den ganzen Tag am See Aufsicht führen.

Die DLRG-Ortsgruppe Nettetal hat für solche Wachdienste lediglich zehn Rettungsschwimmer zur Verfügung. Inzwischen sind die Rettungsschwimmer der Ortsgruppe daher lediglich noch zu Veranstaltungen am Wittsee sowie am Nettebruch zu finden. "Bei uns ist der Wachdienst rückläufig. Wir haben inzwischen unsere Arbeit auf die Schwimmabteilung konzentriert", erklärt Geschäftsführer Meeners und ergänzt: "Früher diente die Rettungswache an den Seen auch dazu, die Jugendlichen länger beim Verein zu behalten — aber diese Generation hat heute andere Interessen."

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Auch Karl-Peter Pelzer bemerkt, dass es die Jugendlichen, die früher noch das Strandbad bei ihm besuchten, heute mehr und mehr zur "Blauen Lagune" zieht. "Wenn ich 20 Jahre alt wäre, würde ich wohl auch lieber da hingehen — da ist natürlich viel mehr los", erklärt der Gastronom. Dennoch findet er es schade, dass das Strandbad ausstirbt. Und so pflegt er weiterhin die Außenanlagen — so kann wenigstens der Blick beim Sonnenbaden auf den Hinsbecker Bruch genossen werden.

Während in den 50er Jahren noch das Geschäft mit den Strandbädern rund um die Krickenbecker Seen florierte, geht es nun für Wasserratten ins Freibad oder zur "Blauen Lagune". In der Zeit der Strandbäder an den Krickenbecker Seen entstand auch die DLRG-Ortsgruppe Nettetal, als der Sonntag in vielen Familien noch fürs Strandbad reserviert war.

Die Stadt Nettetal wirbt zwar mit dem Untertitel "Seenstadt am Niederrhein" — Doch egal, ob die DLRG an den Seen Aufsicht führt oder nicht: ins kühle Nass springen, das darf man an den Nettetaler Seen sowieso nicht. Überall ist das rote Fähnchen an den Seen gehisst und der Hinweis "Auf eigene Gefahr" zu finden. Aktuell hat die Stadt daher keine ausgewiesenen Badeseen. "Wir legen keine Steine in den Weg — es gab die beiden Strandbäder Krickenbeck und Poelvenn — aber da wurde bisher keine Konzession beantragt", so Arndt Venten, Sprecher der Stadt Nettetal. "Aber es lohnt auch einfach nicht — die Nähe zur Blauen Lagune ist einfach zu groß", erklärt Pelzer vom Restaurant "Krickenbecker Seen". FRAGE DES TAGES

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(RP/rl)