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Nettetal: Schulrat hat nicht unendlich viele Lehrer

Nettetal : Schulrat hat nicht unendlich viele Lehrer

Thomas Bongartz vom Schulamt des Kreises Viersen verteidigt die Haltung der Bezirksregierung zur Schließung der Grundschule in Leuth. Er beklagt bei der Versorgung mit Lehrkräften "Ungleichheiten" zu Lasten der größeren Schulen.

Schulrat Thomas Bongartz hat keinen leichten Stand. Seine Argumente zur Situation der örtlichen Schulen decken sich mit denen der Bezirksregierung. Als Vertreter der "unteren Schulaufsicht" beim Kreis Viersen hat er die Schulen mit Lehrkräften zu versorgen — nach Menge und Fachlichkeit. "Ich stoße an Grenzen, und es kommt zu Ungleichheiten", sagt Bongartz.

Auf der Grundlage von Stellenbesetzungsplänen verteilt die Schulaufsicht die Lehrkräfte. Bongartz hat, das betont er nachdrücklich, den rechtlich zulässigen Rahmen einzuhalten, der für Außenstehende sehr kompliziert erscheint. Dass das Schulsystem sich landesweit rechtlich in einer Übergangsphase befindet, macht die Sachlage nicht einfacher. Nettetal hatte sich für die Anwendung alter Vorschriften entschieden (wie alle anderen Kommunen im Kreis Viersen auch). Danach ist eine "Bandbreite" zur Bildung von Klassen von 18 bis 30 Schülern einzuhalten. Sie darf bis auf 15 Schüler unterschritten werden, wenn der Weg zur nächsten Nachbarschule unzumutbar ist.

Unabhängig davon, dass Schulaufsicht und Stadt Nettetal dies im Fall der von Schließung bedrohten Grundschule Leuth unterschiedlich beurteilen, gibt es generelle Folgewirkungen. "Je mehr kleine Systeme erhalten bleiben, desto schwieriger wird die Zuteilung von Lehrkräften. Die Ungleichgewichte entstehen wegen der großen Bandbreite in der Klassenbildung: hier 18 Kinder oder gar weniger, dort bis zu 30 Kinder. Ich sähe lieber, wir hätten Klassen alle nahe am Durchschnitt", erklärt Bongartz. Nach dem neuen Gesetz gilt künftig eine Bandbreite von 15 bis 29 Schülern zur Bildung von Eingangsklassen.

Bongartz beklagt ein "Versorgungsproblem insgesamt". Kreisweit sind mehr als 700 Lehrerstellen auf 48 Grundschulen und Schulverbünde zu verteilen. "Fachlichkeiten kann man vielleicht noch ausgleichen. Wir benötigen aber auch Vertretungsreserven für den kurzfristigen Einsatz", sagt der Schulrat. Soweit die Theorie. Zu Jahresbeginn fielen extrem viele Kollegen erkrankt aus, hinzu gibt es viele Langzeitkranke. Das Vertretungssystem war hoffnungslos überdehnt. "Erst seit Mai gibt es wieder Lehrkräfte mit befristeten Verträgen", erklärt Thomas Bongartz.

Auf die angespannte Personalsituation habe der Schulträger stets hingewiesen. Die Stadt Nettetal habe er außerdem seit Jahren gewarnt, dass der unaufhaltsame Schülerschwund den Bestand der Grundschule Leuth existenziell bedrohe. Die Bezirksregierung begründet ihre Forderung, die Schule in Leuth aufzugeben, sogar damit, dass der Verbund nicht reicht. Im katholischen Grundschulverbund Kaldenkirchen-Leuth sind 53 Kinder für das neue Schuljahr gemeldet, davon 15 für Leuth. Um drei Eingangsklassen zu bilden, benötigte der Verbund mindestens 57 Anmeldungen. Selbst ein Wechsel Kaldenkirchener Kinder nach Leuth — das wäre in Kaldenkirchen undenkbar — rettete die Situation nicht.

Bongartz schließt sich der Auffassung der oberen Schulaufsicht an, dass die Entfernung von Leuth nach Kaldenkirchen mit 3,5 Kilometern für Grundschüler nicht unzumutbar wäre. Das politische Argument "kurze Beine — kurze Wege" ziehe in diesem Fall nicht. "Die Fortführung des Grundschulverbundes" sei "aus fachlicher Sicht nicht weiter vertretbar", erklärt daher die Bezirksregierung.

Ob sie diese Haltung beibehält und welche Wirkung politische Initiativen im Landtag beim Schulministerium haben, bleibt abzuwarten. Die Stadt hat den Beschluss des Schulausschusses auf den Weg gebracht. In Düsseldorf muss nun ganz schnell entschieden werden. "Auf den Rücken von Kindern und Eltern darf der Konflikt nicht ausgetragen werden", warnt CDU-Ratsmitglied Christian Lange.

(RP/ac)