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Nettetal: Schulprotest bringt Leuther auf die Beine

Nettetal : Schulprotest bringt Leuther auf die Beine

Mit Plakaten und Transparenten, Sprechchören und Gesängen wehren 250 Leuther gegen die drohende Schließung ihrer Grundschule. Die Stadt hat noch einmal versichert, dass sie für die Schule bei der Bezirksregierung kämpft.

So viel offene Empörung wurde in Leuth noch nie gezeigt. Mit Trillerpfeifen und Buhrufen wurde Schulamtsdirektor Thomas Bongartz empfangen, als er am Donnerstagabend über den Schulhof in die Pausenhalle der Katholischen Grundschule ging. Dort wollte er den Eltern der künftigen Erstklässler erklären, dass die Schule aufgelöst werden solle. Diese Absicht der Bezirksregierung hatte trotz Regens rund 250 Leuther zwischen vier und 80 Jahren auf die Beine gebracht, die meisten waren einst selbst Schüler dieser Schule.

"Rettet die Schule in Leuth — Zukunft für unsere Kinder und unser Dorf" hatten Sandra-Lea Freimuth und ihre Tochter Charlotta auf ein großes Transparent gemalt, das sie dem Schulrat gleich am Eingang zur Pausenhalle entgegenhielten. "Ohne Schule keine Dorfgemeinschaft", "Leuth soll leben, die Schule soll bleiben", "Wir haben unsere Schule gern und möchten, dass sie bleibt", "Keine Schule — keine Zukunft", "Hände weg von unserer Schule" oder "Stadt Nettetal: 6 — Verschlafen" stand auf Dutzenden von Plakaten, die Klein und Groß in kürzester Zeit angefertigt hatten.

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  • Schulleiterin Anna Fröhlich. Archivfoto: Christian Beier
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"Leuth soll leben, das könnt ihr uns nicht nehmen", skandierte Jörn Jansen in ein kleines Megafon. Ob dies beim Pfeifkonzert auch Bürgermeister Christian Wagner und der Erste Beigeordnete Armin Schönfelder gehört haben, war nicht mehr festzustellen. Hinter den Glasfenstern der Pausenhalle, in die die Eltern der 16 für die erste Klasse 2013/14 angemeldeten Schüler eingeladen worden waren, machten sie nach Angaben von Teilnehmern klar, dass sie sich gegen die Anweisung der Bezirksregierung wehren wollen. Die Hoffnung, dass eine größere Öffentlichkeit hergestellt werden könnte, zerschlug sich. Das war nicht gewünscht.

Zuvor hatte der Schulrat "aus schulfachlicher Sicht" dargelegt, dass die Schule geschlossen werden solle, da einmal nicht die erforderliche Schülerzahl erreicht werde (nach heutiger Gesetzeslage fehlen derzeit zwei), zum andern aber auch der Lehrerpool leer sei. So werde für die beiden ausscheidenden Lehrerinnen Fazius und Moser nur eine neue Lehrkraft eingestellt werden können. Diese Aussagen stießen auf "massive Ablehnung" bei den Eltern, die bislang noch keine Aufnahmebestätigung erhalten haben. Ihnen sagte Wagner, sie möchten ihre Kinder nicht an anderen Schulen anmelden, sondern den Gang des Verfahrens anwarten. Am Dienstag werde der Schulausschuss Stellung nehmen.

Währenddessen machte sich draußen bei nachlassendem Regen weiter Empörung Luft. "Die ganze Dorfgemeinschaft hängt an der Schule", meinte Martina Wefers, deren Sohn Nils die zweite Klasse besucht, "von hier gehen doch die Impulse aus für Karneval, Schützenfeste und auch kirchliche Feste". Andrea Thelen pflichtete ihr bei. Sie befürchtete, dass durch die Schließung der Schule auch die Vereine in Leuth geschädigt werden. Und auf einmal wurde gesungen "Leuth am Niederrhein — wie bist du doch so schön..." Auf einem Plakat hatte es auch geheißen "Leuth am Niederrhein — bleib doch so schön". Dazu eine Stimme aus der Verwaltung: "Ich hoffe es." FRAGE DES TAGES

(mme)