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Nettetal: Schützen verärgert über Regulierung

Nettetal : Schützen verärgert über Regulierung

Durch neue Vorschriften sehen viele Schützen ihre Tradition in Gefahr. Eine Schrumpfkur für Holzvögel konnte nun abgewendet werden.

Seit Jahren fertigt Heinz-Josef Kox Holzvögel für die Schützen aus Schaag und Boerholz. Dabei nimmt der Schreiner aus Schaag stets ähnliche Maße: Etwa 30 Zentimeter lang und 15 Zentimeter breit ist der Schützenvogel. Es hätte nicht viel gefehlt, und Kox hätte sich umstellen müssen. Seit Ende Oktober ist eine neue Schießstandrichtlinie in Kraft, die besagt, dass die Holztiere maximal acht Zentimeter dick sein dürfen. So sollte vermieden werden, dass herabfallende Teile Menschen verletzen.

Erst erheblicher Protest der Schützenverbände in Berlin sorgte dafür, dass das Innenministerium diese Woche mitteilte, die Regelung zu ändern. Nun dürfen die Schützenvögel weiter einen 15 Zentimeter dicken Holzkern haben. Bei den Schützen sorgt die Entscheidung für Erleichterung — doch herrscht Verärgerung über die Einflussnahme der Politik in die Tradition.

Karl Heinz Bäumges, Bezirksbundesmeister im Bezirksverband Nettetal-Grefrath, hatte vor der Rücknahme der Bestimmungen für Schützenvogel das Vorhaben scharf kritisiert. "Das ist lächerlich. Es gibt gar keinen Grund, etwas zu ändern", sagte er. Schließlich sei nie jemand zu Schaden gekommen, die Sicherheitsbestimmungen bei Königsschießen seien immer schon sehr hoch gewesen. Wäre es bei der Änderung geblieben, wäre der Vogelschuss eine Veranstaltung ohne große Spannung geworden, sagt er.

Doch trotz des Meinungswandels im Bundesinnenministerium wird das Vogelschießen in diesem Jahr vielerorts anders sein. So schießt die Schaager St.-Anna- und Hubertus-Schützenbruderschaft erstmals mit Kleinkaliber auf den Vogel — bislang wurde Bleischrot verwendet. Hintergrund sind auch hier neue Bestimmungen: Aus Sicherheits- und Umweltschutzgründen muss der Vogel beim Schießen mit Schrot in einem speziellen Geschossfang aus Stahlblech befestigt sein, der verhindert, dass Munition auf den Boden gelangt. Dafür wäre ein Umbau nötig gewesen. Doch der, so hatten die Schützen errechnet, hätte zwischen 10 000 und 20 000 Euro gekostet. Hinzu kommt ein langwieriges Genehmigungsverfahren.

Um weiter mit Schrot auf den Holzvogel schießen zu können, hat sich der benachbarte Bezirksverband Schwalmtal-Brüggen eine andere Lösung überlegt. Dort planen Mitglieder eine mobile Vogelschussanlage für Schrot. 17 Vereine teilen sich die Kosten, die nach Angaben von Bezirksschießmeister Klaus van Gansewinkel im Bereich des Anschaffungspreises für einen Kleinwagen liegt.

Bestimmungen für Schützenvögel, neue Richtlinien für die Schießstände — die Änderungen sorgen bei den Offiziellen für Verärgerung. "Alle paar Monate werden die Gesetze geändert, und wir müssen sie umsetzen", sagte Norbert Ix, stellvertretender Diözesanschießmeister Bereich Aachen-Nord. Auch ohne teure Umbauten sei bislang keine Munition aus den Fangkästen herausgefallen. Er führt an, dass das Schützenwesen in der Vergangenheit gut ohne derartige Einschränkungen ausgekommen sei, ohne das jemand zu Schaden gekommen wäre.

(RP/rl)