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Nettetal: Schüler ermitteln wie Profis den Mörder

Nettetal : Schüler ermitteln wie Profis den Mörder

Bei dem Krimiprojekt "Dem Täter auf der Spur" klären die Neuntklässler des Werner-Jaeger-Gymnasiums in Gruppen den Fall "Die Tote auf dem Sportplatz". Zeugen und Spurensuche helfen bei der Suche nach Täter und Motiv.

Völlig verwüstet finden die Ermittler den Tatort am Sportplatz vor. Plastikhütchen liegen herum, eine Bierflasche, Zigaretten und anderer Müll machen es den Kommissaren nicht leicht, die relevanten Spuren zu finden. Nur gut, dass sie sich auf die Hilfe der Kollegen von der Spurensuche verlassen können. Die pudern die Tatwaffe — ein Brotmesser —, Bierflasche und Bücher auf der Suche nach Fingerabdrücken ab. An Zigarette und Co. werden die DNA-Spuren ermittelt.

"Hier gibt es einfach zu viele Spuren, die wir nicht brauchen", sagt Ermittler Marvin Donaubauer. Der 15-Jährige geht in die Klasse 9c des Werner-Jaeger-Gymnasiums. Gemeinsam mit seinen Mitschülerinnen Corinna Eickes und Marjolaine Pot D'Or gehört er während des einwöchigen Krimiprojektes "Dem Täter auf der Spur" zum Ermittler-Team. Das hat sich inzwischen allerdings um einige Köpfe erweitert, haben doch einige Spurensucher und Journalisten gerade nichts zu tun. "Wir wollen nicht nur rumsitzen, sondern weiter an dem Fall mitwirken", sagt David Mausberg.

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Also schaut sich die Truppe den Tatort nochmal ganz genau an: Da ist der nachgezeichnete Umriss der getöteten Schülerin Diana, daneben eine Blutlache und das Messer. Die Bierflasche gehört zu Schulleiter Dr. Müller — so viel hat die Spurensicherung schon herausgefunden. Und die Zeugenbefragungen haben ergeben, dass der Schulleiter seinen Schülern gerne in der sogenannten Liebesecke am Sportplatz nachgestellt hat. Am Mordabend beobachtete er dort die Oberstufenschüler Jonas und Sina. Für die Tatzeit haben beide Schüler aber ein Alibi — das wiederum haben die Ermittler bereits rausgefunden. Gespielt werden alle am Fall "Die Tote vom Sportplatz" beteiligten Zeugen von Schülern des Literaturkurses der Jahrgangsstufe elf.

Entwickelt worden ist der Fall von einem vierköpfigen Lehrerteam. Zu dem gehört auch Hanno Eckers, der den Ermittlern dann auch das nächste Alibi liefert: Dr. Müller ist um 23 Uhr in der Nähe des Kölner Doms geblitzt worden. Der Mord passierte zwischen 22.45 und 23 Uhr, der Weg dauert länger als 15 Minuten kombinieren die Ermittler schnell. "Wir übersehen was", sagt Marvin, "bei 16 Messerstichen war das kein Unfall. Da war jemand richtig wütend auf die Tote."

Also suchen sie nochmal die beste Freundin der Toten auf, Michelle. Ihre Fingerabdrücke sind neben denen der Toten und denen einer weiteren Schülerin auf der Tatwaffe. "Du warst am Abend bei Diana. Da hast du das Messer mitgenommen", sagt Corinna. Die Verdächtige: "Warum sollte ich meine beste Freundin erstechen?" "Du hast das Messer für jemand anderen geholt", behauptet die Ermittlerin und hat Erfolg. Für wen? Die Antwort beleibt die Zeugin schuldig.

Mitten in das Verhör platzen einige Kolleginnen der Spurensicherung. "Steffens Blut ist unter Dianas abgebrochenem Nagel", flüstern sie. Wie man Blutgruppen analysiert hatten die Schüler im Biologie-Unterricht gelernt. Marvin vermutet gleich, dass Michelle ihre große Liebe schützen will. Schließlich wird Steffen regelrecht ins Kreuzverhör genommen. Ganz nach dem Motto "Alle gegen einen" decken die Schüler eine widersprüchliche Aussage nach der anderen auf, bis Steffen keine andere Chance hat, als den Mord zu gestehen. Sein Motiv: Diana hat zugegeben seine Ex-Freundin Katrin zur Trennung getrieben zu haben. Jetzt sind die Journalisten und Layouter an der Reihe den Fall aufzubereiten.

"Wir verbinden so die Fächer Biologie, Kunst und Deutsch", sagt Lehrer Eckers. Dazu beitragen soll auch die die Projektwoche abschließende Präsentation der Ergebnisse vor Schülern und Eltern in Form von kleinen Schauspielen. Was die Neuntklässler durch dieses Projekt aber noch gelernt haben, das sind soziale Kompetenzen: "Wir mussten uns selbst in der Gruppe organisieren, haben Teamwork gelernt und dass die eine Gruppe nicht weiterkommt, ohne sich auf die Arbeit der anderen zu verlassen", sagen Hanna Schwan und Yvonne Göttges.

(RP)