Schnappschildkröten bedrohen heimische Tiere und Pflanzen

Nettetal: Ausgesetzte Schildkröten werden Problem

Jüngst haben Mitarbeiter der Biologischen Station das Gelege einer einen halben Meter langen Schnappschildkröte entfernt. Die Tiere werden immer mehr zum Problem. Sie fressen alles – darunter kleine Vögel und Fische

Wenn Ansgar Reichmann auf die Fotos schaut, kann der Leiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen in Hinsbeck nur mit dem Kopf schütteln. Die Bilder zeigen eine rund einen halben Meter große Schnappschildkröte beim Ablegen von Eiern in unmittelbarer Nähe des Wittsees – für die heimische Natur eine kritische Sache.

„Wir sind informiert, dass das Tier dort ein Gelege anlegt, und haben die Schildkröte zusammen mit Mitarbeitern der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Viersen eingefangen und das Gelege ausgehoben“, berichtet Reichmann. Dass Gelege entdeckt werden, ist eher ein seltener Fall. Aber dass Wasserschildkröten – allen voran die Schmuckschildkröten, von denen die Schnappschildkröte eine Unterart ist – in Artenschutzgewässern und Teichen öffentlicher Parks im Kreis gesehen werden, ist leider keine Seltenheit, sagt der Biologe.

Im Wasser schwimmende oder sich am Ufer sonnende Schmuckschildkröten sind immer wieder anzutreffen. Die Tiere wurden von ihren Besitzern ausgesetzt. Sie sind zu groß geworden, zu unbequem, zu aufwendig oder zu teuer im Unterhalt – die Gründe, warum die Wasserschildkröten in der Natur landen sind vielfältiger Art, sagt Reichmann. „Das Schlimme ist: Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, was sie da machen. Sie denken auch noch, sie täten dem Tier etwas Gutes, wenn sie es in die Freiheit entlassen.“ Aber man tue den Tieren keinen Gefallen. Nicht nur, dass eine solche Vorgehensweise strafbar ist. Die Wasserschildkröten sind hier nicht heimisch – viele sterben im Winter. Weil die Teiche nicht tief genug sind und zu wenig Schlamm am Boden haben, in den sich die Tiere einbuddeln können, erfrieren sie. Daneben treten aber noch ganz andere Probleme auf, und das insbesondere in Artenschutzgewässern. Denn Wasserschildkröten fressen alles – das trifft auf Pflanzen und Tiere zu. „Sie sind sehr flink und machen Jagd auf Amphibien und Jungfische. Sie fressen Kaulquappen und Libellenlarven“, sagt Reichmann. Lebewesen, die eigentlich mittels der Artenschutzgewässer geschützt werden sollen. Als Nahrung für illegal ausgesetzte Schildkröten sind sie nicht gedacht. Finden die Tiere in Teichen tatsächlich ausreichende Schlammschichten in der Tiefe, können sie sogar überwintern. Dadurch gibt es Wasserschildkröten, die seit Jahren in Teichen leben und durch ihr Fressverhalten ins ökologische Gleichgewicht eingreifen.

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Ein weiteres Problem taucht bei Schnappschildkröten auf. Sie erreichen Größen, in denen sie auch für Menschen gefährlich werden können. „Wer beim Baden einen unglücklichen Zusammenstoß mit einer solchen hat, könnte unter Umständen gebissen werden“, erklärt Reichmann. Ihr Gebiss ist so kräftig, dass es Knochen von Zehen oder Fingern durchbeißen kann.

Oft werden größere Exemplare als Teichschildkröten für den heimischen Garten verkauft. Was viele nicht wissen: Die Wasserschildkröten können große Strecken an Land zurücklegen. Das heißt, die Tiere können in die freie Natur abwandern und sorgen dort für die gleichen Problematiken wie ihre ausgesetzten Artgenossen. Tatsache ist: Weder Wasserschildkröten, Goldfische noch andere Wasserlebewesen gehören in die freie Natur, sagt Reichmann. Das gilt auch für Pflanzen. Was im heimischen Garten nicht mehr benötigt wird, sollte auf den Komposthaufen oder in die Bio-Tonne wandern.