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Nettetal: Schlechte Noten für den Kreis

Nettetal : Schlechte Noten für den Kreis

Im "Deutschen Lernatlas 2011" der Bertelsmann-Stiftung belegt der Kreis Viersen Rang 129 von 144. Die Verwaltung will das schlechte Abschneiden jetzt in Ruhe analysieren und mit den Städten im Kreis zusammenarbeiten.

Kreis Viersen Sorgenkind, Wackelkandidat oder Durchschnittsschüler? Je nachdem, aus welcher Perspektive man den "Deutschen Lernatlas 2011" der Bertelsmann-Stiftung betrachtet, fallen die Noten für den Kreis Viersen unterschiedlich aus.

Eine schallende Ohrfeige gibt's, wenn man ihn mit anderen "Kreisen im verdichteten Umland" vergleicht: Dort belegt der Kreis Rang 129 von 144. Im Vergleich mit allen Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland sieht es etwas besser aus, im NRW-Vergleich liegt der Kreis Viersen sogar ganz leicht über dem Durchschnitt.

Die Studie untersucht, wie die Menschen lernen — nicht nur in Schulen, sondern auch in anderen Lebensphasen und -bereichen. Die Leitfragen: Wie lernen Menschen für und in ihrem Beruf? Wie lernen sie im und für das soziale Miteinander? Wie lernen sie, um sich persönlich weiterzuentwickeln? In die Wertung flossen — teilweise fünf Jahre alte — Ergebniss verschiedener Einzelstudien ein. "Wir mussten die Daten nehmen, die uns zur Verfügung standen, wollen nun aber aktuelle Zahlen nach und nach einfließen lassen", sagt Monika Diaz vom Lernatlas-Projektteam.

Kreis Lippe ist Schlusslicht

Der Kreis Viersen liegt fast in jeder Unterkategorie unter dem Durchschnitt im Vergleich mit anderen Kreisen im sogenannten verdichteten Umland. Das sind Kreise mit einer Einwohnerdichte von über 150 pro Quadratkilometer in einer Region mit einem Oberzentrum beziehungsweise einer Großstadt. Am besten schneidet der Landkreis Würzburg ab, Schlusslicht ist der Landkreis Lippe.

Schlechte Noten gibt es für den Kreis Viersen etwa für die naturwissenschaftliche Kompetenz der Schüler (Rang 116), die Chancen junger Menschen auf einen Ausbildungsplatz sind schlecht (Rang 130), um die Teilnahme von Berufstätigen an beruflicher Weiterbildung ist es nicht gut bestellt (Rang 130), und das Engagement der Bürger in der Freiwilligen Feuerwehr ist dürftig (Rang 130). Halbwegs mithalten können die Schüler, was ihre Lesekompetenz in Englisch (Rang 78) angeht, und was Einrichtungen in der Jugendarbeit angeht, belegt der Kreis den 76. Platz.

Als überdurchschnittlich gut wird bewertet, dass die Beschäftigten häufig vor neue Aufgaben gestellt werden (Rang 31), viele Bürger durch eine Parteimitgliedschaft am politischen Geschehen teilnehmen (Rang 50) und eine Neigung zum Bücherlesen besteht (Rang 47).

Panik ist angesichts der Ergebnisse bei Ingo Schabrich, Sozial- und Schuldezernent des Kreises Viersen, nicht ausgebrochen. Gleichwohl will er "nun in Ruhe prüfen, ob wir auf ähnliche Ergebnisse kommen". "In einigen Teilbereichen sind wir bereits selbst zu der Erkenntnis gelangt, dass Verbesserungsbedarf besteht", sagt Schabrich und nennt den Übergang von der Schule in den Beruf. Die hohe Zahl "unversorgter Jugendlicher" bereitet ihm Sorge. Nun gelte es, mit den Städten im Kreis zusammenzuarbeiten.

(RP/rl)