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Nettetal/Viersen: Schlachthof sieht Existenz in Gefahr

Nettetal/Viersen : Schlachthof sieht Existenz in Gefahr

Die Kreisverwaltung will die Gebühren für schlachtende Betriebe anheben, weil die Kosten bei weitem nicht gedeckt sind. Der Viersener Betrieb Siemes hat gegenüber der Politik Alarm geschlagen: Er müsse den Betrieb schließen.

Eine von der Kreisverwaltung vorgeschlagene Gebührenerhöhung drängt den Schlachtbetrieb Siemes an der Gerberstraße in Viersen an den Rand seiner Existenz. Darauf hat Johannes Siemes die Mitglieder des Kreistags hingewiesen. Die Verwaltung argumentiert, sie sehe keine andere Möglichkeit. Sie müsse schon jetzt ein jährliches Defizit in Höhe von 40 000 Euro ausgleichen, das sich aufgrund von Kostensteigerungen nahezu verdoppeln werde.

Siemes steht nach eigenen Angaben mit dem Rücken zur Wand. "Wird die Gebührenerhöhung um 15 Prozent durchgesetzt, kann der Betrieb das nicht mehr verkraften. Dann gehen 45 Arbeitsplätze verloren." Nicht nur das: Der Schlachtbetrieb ist der einzige von nennenswerter Größe in der gesamten Umgebung. In den benachbarten Großstädten und Kreisen gibt es die Betriebe nicht mehr, und Siemes steht in direktem Wettbewerb zu Branchenriesen wie der Firma Tönnies.

Nach eigenen Angaben kann der Unternehmer bereits heute "nur mit größten Anstrengungen am Fleischmarkt überleben". Mehr als 80 Prozent des Fleisches gingen per Angebotspreis über die Ladentheken, was den Preisverfall noch beschleunige. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren erheblich investiert, "um die Wettbewerbsfähigkeit und den Fortbestand zu gewährleisten".

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Wettbewerbsverzerrend sei, so Siemes, dass schon jetzt die Gebühren "bedeutend höher als bei anderen großen Unternehmen" lägen. Werde er gezwungen, den Betrieb zu schließen, wirke sich das verheerend auf die Vermarktungsmöglichkeiten hiesiger Landwirte aus. Die Folge wäre, dass Schlachtvieh per Lkw zu Großbetrieben gebracht und stundenlang auf Fahrzeugen warten müsse. Gerade im Sinne des Tierschutzes erfülle der Betrieb die strengen Auflagen. Bestrebungen, regionale Produktions- und Handelsstrukturen bei Lebensmitteln zu stärken, seien gefährdet, wenn der Betrieb schließe. Der Begriff "Aus der Region — Für die Region" sei dann nicht mehr realistisch. Im Übrigen sei der Schlachthof Viersen einer der wenigen Betriebe, der Mitarbeiter nicht mit Dumpinglöhnen abspeise. Mitgliedern des Kreistags legte er Lohnabrechnungen und Werkverträge offen, die dies bestätigten.

Die Kreisverwaltung beharrt aber auf der Gebührenerhöhung. Neben dem schon jetzt jährlich auflaufenden Defizit bei den Gebühren, das auf bis zu 80 000 Euro zu steigen drohe, müsse der Kreis "Overhead-Kosten" tragen, die er nach EU-Recht nicht weitergeben dürfe. Sie stiegen von derzeit 115 000 auf mehr als 150 000 Euro im Jahr. Die Fraktionen verschoben die Entscheidung auf die Sitzung des Kreisausschusses. Bis dahin sollen Details geprüft und bewertet werden. Siemes vertritt die Auffassung, dass der Kreis auch mit geringerem Aufwand seinen Kontrollaufgaben nachkommen könnte. FRAGE DES TAGES

(RP/ac)