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Schauspieler Götz Schubert liest in Nettetal

Zeltdachkirche in Nettetal : Schauspieler Götz Schubert liest feine Texte

Die kleine evangelische Zeltdachkirche in Hinsbeck, frech in pink illuminiert, war voll besetzt. Viele wollten den vor allem aus der ARD-Fernsehkrimireihe „Wolfsland“ bekannten Schauspieler Götz Schubert live erleben.

„Lustiges Scheitern“, so hieß es, sei das Thema in den „Geschichten von der allgemeinen Undurchschaubarkeit“, die Götz Schubert gemeinsam mit dem Oboisten und Komponisten Manuel Munzlinger auf die Kirchenbühne brachte.

Die Texte stammten von drei jungen Autoren, die damit am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teilnahmen. Ob der erste Part, der die Gedanken eines Wanderers, der sich in aussichtsloser Lage im Schnee verirrt hat, als „lustig“ zu bezeichnen ist, sei einmal dahingestellt. Götz Schubert liest den sprachlich fein ausgearbeiteten, hintersinnigen und komplexen Text in schnellem Tempo von Blättern ab, die er lässig zu Boden gleiten lässt. Leider wird das Zuhören zum Kraftakt, da die Stimme von Schubert im simulierten Heulen des Schneesturms aus den beiden Lautsprecherboxen nahezu untergeht. Die eigentlich gute Idee, den Text durch Geräusche, Klänge und Melodien aufzulockern, zu verstärken und so den Effekt eines Hörspiels zu erzeugen, wurde so leider konterkariert. Im zweiten Part geht es äußerlich ruhiger zu. Nur das Ticken der Kuckucksuhr und das Ploppen des tropfenden Wasserhahns durchbrechen die Stille, bei der sich zwei Personen am Küchentisch schweigend gegenübersitzen. Umso bewegter und bizarrer ist das innere Szenario des Ich-Erzählers. Der frühpensionierte Lehrer will ein Zimmer in seiner Wohnung auf keinen Fall an sein Gegenüber vermieten – und tut dann genau das. Paradoxien des Alltags eben.