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Nettetal: Rüttgers: Probleme angehen

Nettetal : Rüttgers: Probleme angehen

Der ehemalige Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers macht sich Sorgen um Deutschland. Mitglieder von Rotary und Lions forderte er in Haus Bey zum gesellschaftlichen Umdenken auf.

Von Finanzen versteht er etwas. In seiner Amtszeit als Ministerpräsident von NRW hat Dr. Jürgen Rüttgers den Landeshaushalt konsolidiert, hat Ein- und Ausnahmen ins Lot gebracht. Inzwischen ist er ohne Amt und Macht, doch gleichgültig lassen ihn die immensen Schuldenberge nicht, die heutige Generationen ihren Kindern und Enkelkindern hinterlassen. Auf Einladung des Rotary-Clubs Viersen-Schwalm-Nette kam der 60-Jährige in den Kreis Viersen.

130 Gäste aus Reihen der Service-Clubs Inner Wheel, Lions, Rotary und Zonta begegneten in Haus Bey einem besorgten Rüttgers, der abseits von Parteipolitik Denkanstöße geben will und zur Diskussion eines gesellschaftlichen Wandels aufruft. Als Ruheständler, das gibt Rüttgers unumwunden zu, hat er mehr Zeit, sich eingehend mit Problemen zu beschäftigen. Große Herausforderungen, der sich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stellen müssen, sieht er im demografischen Wandel, der hohen Verschuldung, der Eurokrise und der Energiewende.

Immer mehr Schulden

"Jeder sagt, das kriegen wir hin. Aber keiner sagt uns wie." Die Kosten für Deutsche Einheit, höhere Rentenzahlungen, Euro-Rettung und Ausbau neuer Energien beziffert Rüttgers auf neun bis zehn Billionen Euro. "Irgendeiner wird das bezahlen müssen." Denkbare Wege seien Inflation, höhere Steuern, Streichung von Sozialleistungen. Das alles wird nach Meinung des 60-Jährigen nicht reichen. Immer mehr Schulden lasten auf immer weniger Menschen: Die Bevölkerung schrumpft von heute 82 Millionen auf 65 Millionen im Jahr 2050. Zuwanderung allein löse das Problem nicht, sagt Rüttgers.

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Auch der neue Generationenvertrag, für den er sich stark macht, trage nur zur Linderung bei. "Ich bin dafür, dass die Menschen selbst entscheiden, wann sie in Rente gehen." Und: "Mit 60, 65 und 70 sind Sie heute noch nicht alt." In der Erfahrung und den innovativen Möglichkeiten der Älteren sieht er ungenutztes Potenzial. Gleiches gelte für Frauen, die aufgrund fehlender Kita-Plätze immer noch zwischen Kindererziehung und Beruf entscheiden müssen. "Deutschland muss sich den Realitäten stellen", sagte Rüttgers.

Eine "Riesenherausforderung" sieht der ehemalige Ministerpräsident in der Energiewende — "das größte Investitionsprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg". Allein für Windenergie müssten 3600 Kilometer Hochspannungsleitungen quer durch Deutschland gelegt werden. "Für jede Kommune in NRW heißt das, planerisch eine Fläche von 240 Fußballfeldern vorzusehen", so Rüttgers. Bei aller Sorge verbreitet er auch Zuversicht: In einem starken Europa ließen sich die Probleme lösen. Rotary-Präsident Dr. Lutz Deitmer bedankte sich bei dem Referenten mit der neuesten Swatch-Uhr und einem Krimi.

(hc)