Nettetal: Rockparty aufm Dorf einte Generationen

Nettetal : Rockparty aufm Dorf einte Generationen

Die Kaldenkirchener Uralt-Bands "The Blizzards" und "Nice Valley" rockten fast sechs Stunden lang im Saal "Zur Mühle" in Kaldenkirchen. Bei der Tanzparty mischten sich junge und alte Musikfans.

Noch weit nach Mitternacht dröhnte es durch den Saal: "Born to be wild!" Zwölf Musiker auf der Bühne rockten fast sechs Stunden lang, was das Zeug hält, ließen ihr Publikum tanzen und feiern. Die Kaldenkirchener Bands "The Blizzards" und "Nice Valley" spielten am Samstag in der Gaststätte Zur Mühle erst im Wechsel und zum Höhepunkt gemeinsam.

Da saß er, still zunächst, der pensionierte Bankdirektor. Taute bald auf, lächelte und lachte dann sogar. Wippte mit dem Kopf und trommelte den Takt auf die Tischplatte: "Wir sind schon als junge Leute zu den Blizzards zum Tanzen gegangen, so Mitte der 60er-Jahre", erinnerte er sich. Tanzen mochte er nicht mehr, andere Altersgenossen über 70 hatten mehr Mut.

Ein Hauch von Nostalgie in der mehr als 150 Jahre alten Mühlen-Gaststätte. "Let's have a party!", rief Blizzards-Sängerin Gerdy ins Mikro — der Uralt-Hit von Wanda Jackson wurde gleichsam zum Motto des Abends. Spätestens bei diesem Rockabilly-Stück raffte manch ein Tanzmuffel sich auf, schwang die Beine und ließ die Hüften kreisen. Als "Nice Valley" es krachen ließen, staunten zwei Studenten aus Köln, auf Familienbesuch in Kaldenkirchen, über "die geile Rock-Party aufm Dorf". Und die junge Frau zog ihre Mutter auf die Tanzfläche. Gerade das machte den Reiz aus beim Konzert mit Oldies von Westernhagen bis zu den Stones: Jung und Alt unter den rund 250 Besuchern hatten ihren Spaß, unter ihnen Geschäftsleute und Künstler, Großmütter und Lehrer. Generationen und Geschmäcker vereint, im Saal und auf der Bühne. Um die 60 Jahre zumindest die Herren von "Nice Valley", die leger gekleidet rauen Rock und Blues boten wie seit über 40 Jahren. Noch ein paar Jährchen älter und länger dabei die Blizzards, die mit schmucken Westen und Krawatten fetzigen Rock und Rock'n'roll spielten. Ihre Fans bekamen ordentlich was auf die Ohren: Laut war's, manchen zu laut. Einige Musikästheten zogen sich nach hinten in den Saal zurück. Sound und Technik fielen hinters musikalische Niveau zurück. Vor allem der schöne Gesang litt darunter. Das klang im Laufe des Abends jedoch besser, vielleicht auch, weil die Trommelfelle sich dran gewöhnten.

Die Musik an sich freilich, sie konnte sich allemal hören lassen. "Der Hexer" etwa machte seinem Namen alle Ehre: Gitarrist Mini von "Nice Valley" verdiente sich Zwischenapplaus nicht nur bei "Whisky in the jar". Blizzards-Sänger Hans reckte den Arm, riss das Publikum mit: "Satisfaction!" Kollege Peter von "Nice Valley" begeisterte, als er durch den Saal tigerte: "I put a spell on you!". Und Rozlyne modulierte wunderschön "What's wrong with this picture?" Da war es schon weit nach ein Uhr morgens.

Die Bands hatten je drei Sets gespielt, schienen im Laufe der Stunden munterer zu sein als manche Besucher. So erlebten nicht mehr alle den Höhepunkt, als die Zwölf zusammen, ohne gemeinsame Probe übrigens, rockten "Honky tonk women" und "Kom van dat dak af". Jubel im Saal bei den Unentwegten, als Gerdy Rose versprach: "Das wiederholen wir im nächsten Jahr!"

(jobu)
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