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Nettetal: Robinien auf dem jüdischen Friedhof stark beschädigt

Nettetal : Robinien auf dem jüdischen Friedhof stark beschädigt

Die wunderbaren alten Robinien verliehen dem jüdischen Friedhof am Akazienweg über viele Jahrzehnte eine ganz besondere Atmosphäre. Die sind die knorrigen Bäume inzwischen so alt, dass sie allmählich deutliche Schäden aufweisen.

Die heftigen Stürme — nicht nur Kyrill — in den vergangenen Jahren haben den Bäumen sehr zugesetzt. Drei Robinien fielen ihnen bereits zum Opfer.

Nicht standsicher

Aus Sicherheitsgründen holte die Stadt ein Baumgutachten ein. Denn die Robinien haben nicht nur einen hohen ästhetischen, sondern auch ökologischen Wert, beispielsweise für Höhlenbrüter. Das Ergebnis fiel niederschmetternd aus. Es drohen große Äste abzubrechen, die Bäume sind nicht mehr standsicher und können jederzeit umfallen.

Die Stadt kommt nicht darum herum, harte Maßnahmen zu treffen. Die Robinien sollen soweit zurückgeschnitten werden, dass sie als Torso stehen bleiben. Die Fachleute rechnen damit, dass sie wieder ausschlagen und dann viele Jahre als "Kopfbäume", ähnlich den bekannten Kopfweiden, erhalten werden können.

Die Stadt stimmt die Arbeiten mit der unteren Landschaftsbehörde beim Kreis Viersen ab. Sie hat gleichzeitig bereits Förderanträge an das Land gestellt. Es besteht nämlich die Aussicht, Geld aus dem Topf zur Pflege von jüdischen Friedhöfen zu erhalten. Der Umweltschutzausschuss stimmte dem Vorschlag zu, Bäume zu kappen, damit sie neu auschlagen. Außerdem billigte er den Vorschlag der Verwaltung, drei Robinien neu anzupflanzen.

Im Wohngebiet an der Arnold-Janssen-Straße geht mit Billigung der Stadt der Einschlag einzelner Bäume weiter. Der Ausschuss gab dem Antrag von Bewohnern des Gebietes statt, eine jüngere Eiche sowie eine Traubenkirsche zu fällen. Die Klagen darüber, dass die in dem Wohngebiet stehenden Bäume das Sonnenlicht wegnähmen, sind insofern bemerkenswert, als das Gebiet unter der Auflage, dass der Baumriegel erhalten bleibt, entwickelt wurde.

Baumbestand war bekannt

Folglich wusste jeder Käufer eines Grundstücks von vornherein, dass er auch starke Beschattung und Laubfall hinnehmen muss. Einige Grundstücke sind so geschnitten, dass die Südseiten von den großen Bäumen — es handelt sich um Reste des Grenzwaldes, der bei Kriegsende abgebrannt war — vollkommen beschattet werden. Die Stadt hat im konkreten Fall aber dem Wunsch der Bürger, gleich mehrere Eiche wegzunehmen, nicht stattgegeben.

An der Bahnhofstraße werden zwei Platanen entfernt. Sie sind nach Angaben der Fachleute nicht mehr standsicher. Eine Nachpflanzung der stark beschnittenen Bäume ist geplant.

(RP)