Rechtsanwalt Udo Schröder leitet nicht nur in Nettetal Chöre

Chorleiter: Leutherheides Generalmusikdirektor

Udo Schröder leitet mehrere Chöre und animiert als temperamentvoller Motivator gern das Publikum zum Mitsingen. Die Musik ist für den Leutherheider ein Ausgleich zum Berufsalltag

Morgens in die Kanzlei, abends zur Chorprobe. „Musik und Gesang sind ein wunderbarer Ausgleich, denn anders als vor Gericht kommen die Menschen hier freiwillig und mit Freude zusammen, und als Chorleiter kriegt man gleich ein Feedback“, sagt Udo Schröder. Der Rechtsanwalt aus Leutherheide leitet in seiner Freizeit mehrere Chöre, bringt frischen Wind in die Szene der Sangesgemeinschaften.

Wer Schröder sagt, denkt gleich an Kosimi. Der gemischte Chor, dessen Name schlicht „Komm sing mit“ bedeutet, hat längst eine Fangemeinde jeden Alters, das Repertoire reicht von Countrymusik bis zu Kirchenliedern. „Chormusik heißt ja nicht, immer nur altbewährtes Liedgut rauf- und runterzusingen. Traditionelles soll man pflegen, aber nicht totsingen, dafür Neues ausprobieren, und alles immer mit Respekt vorm Publikum, das bei uns gerne mitsingen darf“, betont Schröder.

Der 48-Jährige ist familiär vorbelastet. Er erzählt von seinen musikbegeisterten Eltern, vom eigenen Spaß am Klavierspielen: „Ich durfte schon als Elfjähriger einen Chor am Klavier begleiten und in der Kirche die Orgel spielen, da habe ich mich gefühlt wie King Louie.“ Er muss begabt gewesen sein, der kleine Udo, beseelt von Musik und besessenen vom Musizieren ist er bis heute. Schröder leitete früher noch mehr Chöre, tritt aber nun als verheirateter Familienvater ein bisschen kürzer. Er spielt die Orgel bei Gottesdiensten in St. Lambertus in Breyell. „Unser Pastor nennt mich schon mal scherzhaft den Generalmusikdirektor von Leutherheide“, sagt er und lacht.

Erzählen und dirigieren, das scheint für Schröder keinen Unterschied zu machen. Seine Worte unterstreicht er jedenfalls gestenreich, beschreibt mit den Händen Kreise in der Luft, legt den rechten Zeigefinger auf die Lippen, reißt dann die Arme in die Luft, wiegt den Kopf hin und her, summt zwischendurch. Dabei wirkt er immer ein wenig zerzaust, wuschelig die Haare, die Augen oft zusammengekniffen, Typ zerstreuter Professor, dem Chormitglieder schon mal Wäscheklammern schenkten, damit ihm nicht immer die Notenblätter vom Klavier rutschen.

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Dabei wirkt seine Lebhaftigkeit ansteckend, was ihm bewusst ist: „Wenn ich da stocksteif stehe, wie soll ich da jemanden mitreißen, fürs Singen begeistern? Ich will, dass die Sänger den Löwen loslassen.“ Genau das scheint seine Stärke: Begeisterung entfachen – Schröder als temperamentvoller Motivator. „Ich leite ja auch den Männerchor Niederrheinsänger in Kempen, hervorgegangen aus den legendären Menskes-Chören, der hat vornehmlich ein klassisches Repertoire, aber jetzt haben wir auch ‚Freiheit‘ von Westernhagen drauf, das klingt schon beeindruckend“, sagt Schröder. Womit er sagen will: Klassische Werke seien in ihrer Entstehungszeit aktuell gewesen, da könne auch heute Aktuelles zum Klassiker werden. „Und über Werte wie Freiheit zu singen, das muss uns allen wichtig sein in Zeiten von Erdogan und Co.“

Männerchor und Flüchtlingskinder da, Kosimi und Grundschulklassen dort – Chorleiter Schröder: „Gerade bei Kindern die Freude am Singen zu entfachen, das liegt mir am Herzen“, hebt er hervor, bleibt dann tatsächlich mal einen Moment still sitzen und sagt ruhig: „Woran kranken denn manche älteren Chöre? Doch daran, dass sie seit Jahrzehnten dasselbe singen, bis ihr Publikum und sie selbst weggestorben sind, nein, bei den Jungen muss man anfangen.“ Für Schröder liegt Singen in Gemeinschaft „voll im Trend“, was man auch daran sehe, dass Menschen sogar Eintritt bezahlen, um in großen Hallen gemeinsam mit Hunderten zu singen.

Bezahlen muss beim Chor Kosimi niemand: „Das ist ja vielleicht unser Erfolgsgeheimnis, dass wir kein Verein sind mit Beitrag und Satzung, sondern einfach aus Freude am Singen zusammenkommen.“ Mehr als 70 Sänger aller Altersgruppen hat der 2011 gegründete Chor, Konzerte finden auch draußen statt – Schröder: „In der Natur zu singen wie vergangenes Jahr am Wittsee, das ist das Größte überhaupt.“ Schmunzelnd verrät er: „Ich singe auch schon mal im Urlaub am Strand, da finden sich immer einige Leute, die mitsingen.“