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Nettetal: Razzia im Kneppenhof

Nettetal : Razzia im Kneppenhof

Die Stadt Nettetal und das Kreisjugendamt rückten in der Nacht auf Sonntag zur Jugendschutzkontrolle aus. Ein massives Polizeiaufgebot unterstützte die Aktion. Acht Jugendliche wurden aufgegriffen.

Die Party fand am Samstagabend ein jähes Ende. Gegen 0.30 Uhr rollten Fahrzeuge eines massiven Polizeiaufgebots auf den Parkplatz der Diskothek Kneppenhof in Hinsbeck-Glabach. Sekunden später stürmten Beamte die Diskothek, im Schlepptau Mitarbeiter des Kreisjugendamtes und der Stadt Nettetal.

Die Aktion will minderjährige Jugendliche im Haus aufspüren. Der Jugendschutzkontrolle sieht Disko-Betreiber Karl-Heinz Funken einigermaßen fassungslos zu. Er rollt hilflos die Wertmarken zusammen. Hier geht heute nichts mehr. "Ich bin noch ganz überrascht und weiß selber noch nichts. Ich hoffe, wir haben alles richtig gemacht. Ich fühle mich gerade in meinem eigenen Laden recht unwohl." Funken zwingt sich zu einem freundlichen Lächeln. Ergeben verfolgt er, wie die Polizisten Besucher der Disko überprüfen. Es hat zeitweilig den Anschein, als seien mehr Beamte aufgeboten worden als Besucher im "Knepp" sind. Weiße Kabelbinder, von den Polizisten allen über 18-Jährigen ans rechte Handgelenk gebunden, sind heute der Hit.

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"Ich war noch nie so froh, so'n Ding zu tragen", seufzt ein junger Mann. Er befürwortet die Razzia. Nachdenklich sieht er sich um. "Ich glaube, da haben einige was gewusst. Hier wurde es kurz vor Mitternacht plötzlich ziemlich leer", sagt er. "Wäre die Polizei früher gekommen, wären sicher viel mehr ganz junge Leute angetroffen worden, 13 oder 14 Jahre vielleicht alt." Draußen schwatzen ein paar Jungs, um die 19 und 20 Jahre alt. Sie sind aus Bracht und Kaldenkirchen. Einer gluckst vor Vergnügen. "Ich war im Brösel's kürzlich auch dabei", erzählt er. "Mann, was machen die einen Aufstand."

In beiden Bussen sind nur wenige Jugendliche. Dafür lugen etwa zweihundert Meter weiter immer wieder Jugendliche hinter einer Hecke hervor, als wollten sie warten, bis die Luft wieder rein ist. Die Aktion geht leise und ohne großes Aufsehen zu Ende. Nach gut einer Stunde verlassen die letzten Beamten die Diskothek. "Wart ihr auch im Keller?", fragt eine Beamtin ihre Kollegen. Die nicken: "Sauber."

Das Wummern der Musik setzt wieder ein, kaum dass die Fahrzeuge der Polizei abrücken. Die Mitarbeiter des Kreisjugendamtes ziehen eine erste Bilanz, informieren die Erziehungsberechtigen, die die Jugendlichen abholen sollen. "Es ist die Frage, ob die Eltern das überhaupt kümmert", sagt einer. Es klingt nicht, als habe er da große Hoffnungen.

(RP)