Protest gegen Atomwaffen in Breyell

Fastenaktion : Lambertimarkt wird Friedens-Zentrum

Matthias Engelke, früherer Pfarrer von Lobberich, fastet auf dem Platz aus Protest gegen Atomwaffen. Breyeller Friedensaktivistinnen unterstützen die Aktion mit einem dreitägigen Mitmach-Programm

Seine Waffen sind Fasten und Beten, seine Ziele Frieden und Versöhnung: „Seit dem 28. Juli faste ich, täglich halten wir Gedenkfeiern und Andachten, um ein Zeichen zu setzen für eine atomwaffenfreie Welt“, sagt Matthias Engelke (59). Der Theologe macht mit seinem Fastenzelt ab Sonntag, 5. August, für drei Tage Station auf dem Lambertimarkt in Breyell.

Unterstützt wird Engelke bei seiner Fastenaktion von den Breyeller Friedensaktivistinnen Brigitte Hilgenfeld und Anthoula Kapnidou, die rund um den Hiroshima-Gedenktag ein buntes und besinnliches Mitmach-Programm auf die Beine gestellt haben für alle, denen Frieden ein Herzensanliegen ist.„Nur Mut!“, laden Hilgenfeld und Kapnidou ein zu einer „freien Aktion auf dem Lambertimarkt“ mit Musik, Gesprächen und Begegnungen rund um das Fasten-Zelt von Engelke. Auch Mit-Fasten sei möglich, sagen sie. Dabei versteht sich die Aktion als Teil der „internationalen öffentlichen Fastenkampagne für eine Welt frei von Atomwaffen“ rund um den Jahrestag der Atomwaffenabwürfe über Hiroshima am 6. August und Nagasaki am 9. August 1945.

Engelke kommt am Sonntag zurück an seine alte Wirkungsstätte Nettetal: Zwölf Jahre war er evangelischer Pfarrer von Lobberich und Hinsbeck, seine Frau Beate Engelke war aktiv in der Flüchtlingshilfe Nettetal. Seit dem vergangenen Sommer lebt das Paar in Ägypten, widmet sich dort der Friedensforschung und dem interreligiösen Dialog. Engelke ist leidenschaftlicher Friedensaktivist, engagiert sich im Internationalen Versöhnungsbund, macht jährlich mit bei den Fasten- und Mahnwachen vor dem Fliegerhorst Büchel, der als letztes US-Atomwaffenlager in Deutschland gilt.

„Dies ist schon das neunte öffentliche Fasten“, erzählt Engelke. 2010 begann er am Vorband des Hiroshima-Gedenktages am 5. August. Jedes Jahr sei er einen Tag eher angefangen, begann nun in diesem Jahr am 28. Juli, und zwar im Mariendom der estnischen Hauptstadt Tallinn. Derzeit ist er mit seinem Zelt in Deutschland unterwegs, machte auch Station in Mutlangen, dem Zentrum des Widerstands gegen die Stationierung von US-Pershing-Raketen in den 1980-er Jahren. Und ab Sonntag eben in Breyell auf dem Marktplatz, der schon seit einigen Jahren zum Ort außergewöhnlicher Friedensaktionen geworden ist. So war beispielsweise „Frieden in Bewegung“ das Motto einer Aktion, bei der mehr als 100 Teilnehmer abends mit Kerzen langsam im Kreis tanzten, um Zeichen für Frieden und Versöhnung zu setzen.

  • Kaldenkirchen : KKV will jünger werden

Den Initiatorinnen ist dabei auch ein Anliegen, nach Anschlägen wie in Brüssel den Menschen „die Angst zu nehmen, sich auf öffentlichen Plätzen zu begegnen“, sagt Kapinidou. „Habe Mut zur Begegnung!“, heißt es deshalb im Infoblatt zum „Erinnerungs- und Friedensfest“, das Hilgenfeld und Kapnidou in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Versöhnungsbund veranstalten.

Zum Auftakt am Sonntagnachmittag errichten Künstler eine 3D-Installation, die wie eine angekettete Bombe emporragt: „Diese Installation steht nur am Sonntag, war vorher in Prag, wird dann im Rahmen der Internationalen Fastenkampagne noch in anderen Städten gezeigt“, kündigt Kapnidou an. Um 17 Uhr gibt die engagierte Liedermacherin Nicole Mercier zusammen mit dem Musiker Josef Luy ein Konzert, am Montag um 18 Uhr steht ein Liederabend mit Ulrike Theven an, Gespräche und symbolische Aktionen stehen auf dem Programm. „Bringen Sie Ihren Stuhl und eine kleine Topfblume mit“, laden die Initiatorinnen ein. Denn man wolle „hoffnungsvolle Zeichen“ setzen, die für die „Friedensbemühungen vieler Menschen stehen“.

Engelke lädt ein zu Gedenkfeiern und Andachten morgens und abends am Fastenzelt, bevor er am Mittwoch nach Büchel weiterzieht, wo am 9. August die Fastenaktion endet. Er hofft er auf die Beteiligung der Nettetaler: „Natürlich freue ich mich sehr über Gespräche vor Ort.“

Mehr von RP ONLINE