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Altweiber 2015: Prinz verzaubert Möhnen mit Charme-Offensive

Altweiber 2015 : Prinz verzaubert Möhnen mit Charme-Offensive

Bürgermeister Wagner gab schnell auf und übergab Stadtprinz Hans-Gerd I. die Verteidigung. Gegen 150 Weiber kam der auch nicht an

Um kurz vor halb vier am Altweiberdonnerstag konnte man den Eindruck gewinnen, das Rathaus in Lobberich wäre längst gestürmt. In jecker Hand ist es da jedenfalls schon. Oben, im ersten Stock, feiert sich der Nettetaler Karneval um das Stadtprinzenpaar Hans-Gerd I. und seine Lieblichkeit Susanne I. bereits selbst. "Da sind wir dabei, das ist prima" — schallt es durch die Verwaltung.

Noch aber hat Bürgermeister Christian Wagner Kraft Amtes und Hausherrenschaft das Wort und ergreift es sogleich. Dass der närrische Frohsinn gar nicht mal so sinnfrei sei, wie manch böse Zunge behauptet, hätte das Stadtprinzenpaar in dieser Session gezeigt, sagt das Stadtoberhaupt. Das Stadtprinzenpaar hatte während seiner Auftritte Geld gesammelt, um Flüchtlingen Sprachkurse zu ermöglichen. Das freut den Stadtchef — solange er's noch ist.

Bis zum Machtverlust wird gebützt und gebützt und gebützt, es gibt Orden der Stadt, reichlich "Helau", beim Blick aus dem Fenster gibt sich Wagner, kurz vor der Entmachtung, gar selbstbewusst. "Die da sehen eher so aus, als wollen sie weiter unten feiern und trinken", sagt er. Es sei ja auch so schönes Wetter. Netter Versuch.
Die Möhnen kommen dann schließlich doch, pünktlich um 16.11 Uhr, da ist das Prinzenpaar gerade in der Luft. Aus Kaldenkirchen war die Ersatzdrehleiter — "Feuerwehr, Helau" — nach Lobberich gebracht worden, der Höhenangst von Prinzessin Susanne I. zum trotz. Die bittet darum, die Leiter nicht allzu weit in den blauen Altweiber-Himmel zu fahren. Und das, obgleich das Paar in der Session kaum eine Gelegenheit ausgelassen hatte, steif und fest zu behaupten, es sei auf einem Teppich hergeflogen. Man fragt sich nun schon: Hat das Prinzenpaar die Jecken etwa zu Narren gemacht?
Die Möhnen, vom Anblick des in Gold gewandeten Stadtprinzenpaars wie geblendet, geben sich handzahm. Der Prinz, ganz volksnah, mischt sich gar unter die Weiber und lässt derweil den Rathausschlüssel von den 150 Möhnen unbeachtet an der Drehleiter zurück.

Um halb fünf rücken sie dann doch vor, um 16.32 Uhr ist der Bürgermeister seinen Posten los. Christian Wagner muss die weiße Flagge schwenken.