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Nettetal: Polizist baut Kinderheim im Südsudan

Nettetal : Polizist baut Kinderheim im Südsudan

Der Viersener Hauptkommissar Heiko Lammertz ist seit Januar auf UN-Mission im Südsudan. Die Situation der Menschen dort ist schlecht. Um die Kinder von der Straße zu holen, bauen er und ein Bremer Kollege ein Schutzhaus.

Es sind die Kinder, denen Heiko Lammertz sich nicht entziehen kann. Wenn sie den 44-Jährigen sehen, strahlen sie, rennen auf ihn zu und wollen seine Unterarme berühren. "Kawajak" rufen sie immer wieder, weißer Mann. Für die Südsudanesen ist der Viersener Hauptkommissar eine Attraktion, denn sie kennen weder hellhäutige Menschen noch behaarte Arme. Ihre Haut ist glatt.

Gleichzeitig bedeutet ihr Ausruf in der Sprache der Dinka, einem Volksstamm im Nordwesten des afrikanischen Landes, auch "Der Mann, der Gutes bringt", und das ist Lammertz für die Dorfbewohner wirklich. Er ist "Peacekeeper" auf Mission der Vereinten Nationen (UN) und soll in dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land - wie der Begriff es sagt - den Frieden wahren und die Bevölkerung schützen. Für die vielen Waisenkinder, die in der Stadt Aweil, wo die UN-Mitarbeiter untergebracht sind, auf der Straße leben, wollen der Viersener und sein Bremer Kollege Ulrich Kruse nun zusätzlich ein Schutzhaus bauen, in dem sie nachts in Sicherheit vor den Kämpfen rivalisierender Stämme und Entführung sind.

Um ihre Idee zu realisieren, arbeiten sie mit dem Verein "Lachen helfen" zusammen. Dieser besteht aus Polizisten und Soldaten, die Kinder und Familien in Kriegs- und Krisengebieten unterstützen. 4563,31 Euro sind bisher an Spenden zusammengekommen. Den größten Teil stifteten Lammertz' Kollegen von der Polizei Viersen mit 1111 Euro. "Etwa 5800 Euro brauchen wir insgesamt", meint der 44-Jährige. Er hofft, nach seinem Heimaturlaub Ende Juli möglichst bald mit dem Bau des Gebäudes anfangen zu können. "Der geht dann schnell", meint er.

Das Haus wird aus einem Tongemisch gebaut und hat keine Fenster. "Die hat niemand, dafür ist es zu warm." Bis zu 20 Kinder sollen dort aufgenommen werden können. Für einen Anbau ist reichlich Platz vorhanden. "Wir hoffen, dass der Staat das Projekt einmal übernimmt und weiter treibt." Der Bedarf sei groß. 400 bis 500 Kinder, so die Schätzung, leben in Aweil auf der Straße. Aus lauter Perspektivlosigkeit schnüffeln sie Benzin. Andere verschwinden nachts. Was mit ihnen passiert? "Das weiß jeder. Sie werden als Kindersoldaten in angrenzenden Ländern missbraucht."

Seit Januar ist der gebürtige Viersener, der mit seiner Familie in Nettetal wohnt, im Südsudan. "Dort ist es nicht schön", stellt er klar. Die Landschaft ist karg und trocken. Es ist heiß, teils bis zu 50 Grad mit einer Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent. Die Häuser der Bewohner bestehen meist aus Stroh oder Blech. Ein Abwassersystem gibt es nicht - es stinkt. Drei Jahre ist der Staat nun unabhängig, aber von einem normalen Alltag sind die Bewohner noch weit entfernt.

Der Südsudan sei derzeit die schwierigste Mission der UN, sagt Lammertz. Nach sechs Jahren habe der afrikanische Staat vor kurzem Somalia als gefährlichstes Land der Welt abgelöst. Zu Lammertz' Aufgaben gehört es, einheimische Polizisten darin zu trainieren, bei Einsätzen möglichst gewaltfrei zu agieren. Außerdem informiert er die den Dörfern vorstehenden Sultane über die Verfassung ihres noch jungen Landes. "Community policing" nennt sich diese Aufgabe. "Es passieren viele Gräueltaten", meint er, denn die zwei größten Stämme des Landes - die Dinka und die Nuer - würden sich auch nach Ende des 50-jährigen Bürgerkrieges weiterhin bekämpfen. Die Bevölkerung selbst sei vom Krieg müde. "Die Menschen sind herzlich und freundlich. Sie wollen einfach in Frieden leben", sagt der Polizeihauptkommissar.

(RP)