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Nettetal: Planen durch Gespräche

Nettetal : Planen durch Gespräche

Die Arbeit der Stadtplaner im Nettetaler Rathaus besteht aus mehr als zeichnen. Damit ihre Pläne umgesetzt werden können, sind im Vorfeld Gespräche mit Anwohnern, Investoren und anderen Behörden nötig.

Mittlerweile funktioniert im Fachbereich Stadtplanung im Nettetaler Rathaus vieles mit einem Mausklick. Karten lassen sich im Computer aufrufen, Details ein- und ausblenden, Informationen über Vorschriften, einzelne Grundstücke und übergeordnete Planung abrufen. Auch das Zeichnen selbst geschieht überwiegend am Computer – aber eben nur überwiegend. "Erste Ideen zeichnen wir nach wie vor auf Papier", erzählt Markus Grühn, Leiter der Stadtplanung in Nettetal.

Vieles hat sich für ihn und seine neun Mitarbeiter in den vergangenen Jahren verändert. Der technische Fortschritt hat einerseits Einiges schneller und einfacher gemacht, doch neue Vorschriften und Schwerpunkte sorgen dafür, dass es inzwischen rund ein Jahr dauert, bis ein Bebauungsplan abgeschlossen und durch die politischen Gremien gegangen ist. "Dinge wie der demografische Wandel und Klimaschutz, die vor zehn Jahren kaum berücksichtigt wurden, sind heute im Fokus. Dafür gibt es kaum Aspekte, die weggefallen sind", erklärt Stadtplaner Ulrich Eckert, der immer öfter externe Gutachter beauftragt, was die Planung nicht nur aufwendiger, sondern auch teurer macht.

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Brachflächen stärker im Fokus

Zudem sind weit stärker als früher Brachflächen im Fokus der Planer. Vor allem in Lobberich gibt es zahlreiche ehemalige Industriegelände, die nun anderweitig genutzt werden sollen.

Doch nicht nur zeichnen, Vorschriften wälzen und Gutachten anfordern gehört zu den Aufgaben der Stadtplaner. Vielmehr gehören Gespräche zum Arbeitsalltag der Mitarbeiter. "Jeder Strich, den wir auf dem Plan machen, hat Auswirkungen", erklärt Fachbereichsleiter Grühn. Im Rahmen des Planverfahrens muss also ein Interessenausgleich zwischen Bürgern, Gewerbetreibenden und Investoren geschaffen werden. "Hauptaufgabe ist, dafür zu sorgen, dass unsere Konzepte umgesetzt werden können. Und dazu sind viele Gespräche notwendig", sagt Grühn. Investoren müssen über mögliche Hindernisse informiert und Bürger von der Notwendigkeit eines Vorhabens überzeugt werden – so wie es damals vor dem Bau der Ludbachpassage geschehen ist.

"Manchmal muss man abwägen und private Belange hervorheben oder hintenan stellen", sagt Markus Grühn und weist auf das nötige Fingerspitzengefühl hin, mit dem die Arbeit verbunden ist. Einfühlungsvermögen braucht auch Ilka Mertens, die sich um die Finanzen des Fachbereichs kümmert – und damit auch um die Umlage der Kosten einzelner Vorhaben auf die Bürger. "Das ist für die Menschen nicht immer nachvollziehbar, aber wir erklären es dann, und die meisten Bürger gehen mit einem Lächeln wieder raus", sagt Ilka Mertens selbstbewusst.

(RP)