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Pia Mevissen aus Nettetal besuchte Young Leaders Akademie des THW

Ehrenamt in Nettetal : Das THW ist wie eine zweite Familie

Die Nettetaler Abiturientin Pia Mevissen nahm an der Young Leaders-Akademie des THW in Berlin teil. Danach besuchte sie auch Lehrgänge und Großübungen. Mehr als Technik und Knowhow beeindruckte sie der Zusammenhalt.

Der größte Einsatz für das Technische Hilfswerk Nettetal war der Tornado in Boisheim am 26. Mai 2018. Damals wurde der technische Zug mit alarmiert, um mit dem Notstrom-Aggregat die Hilfsaktionen der Feuerwehr und der Dachdecker sowie das Aufräumen der Anwohner besser auszuleuchten. Bis 1.30 Uhr dauerte der Einsatz. An die unglaubliche Dankbarkeit der Boisheimer erinnert sich Pressesprecher Sven Karth noch heute gerne.

Von diesem Einsatz spricht auch Pia Mevissen. Die 18-jährige Abiturientin aus Nettetal, die die Liebfrauenschule in Mülhausen besucht, ist aktuell ganz Fachfrau fürs THW. Ende Oktober hat sie an der 66. Young Leaders Akademie des THW in Berlin teilgenommen. Eine Woche lang haben dort knapp 120 Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Deutschland über Politik, Religion und Ethik diskutiert. Das hat Spuren hinterlassen. Man müsse sich in der Gesellschaft engagieren, so Pia Mevissen, nur das bringe eine Gesellschaft weiter.

Bei der Akademie ist ihr auch die Aufgabe eines Journalistenwettbewerbs gestellt worden, Artikel über das Technische Hilfswerk zu verfassen. Das hat sie auch geschafft, auch im Lokalradio war sie mit dem Thema THW präsent, sogar an einem TV-Beitrag hat sie mitgewirkt. Um einen möglichst detaillierten und realitätsnahen Einblick in das THW zu erhalten, begleitete sie den Großübungseinsatz des Duisburger THW im Trainingsbergwerk Recklinghausen. Dort mussten Kinder, die vorher dort versteckt wurden, aus Bergstollen „gerettet“ werden. Später begleitete sie das Nettetaler THW beim Volkstrauertag in Leuth und fragte Ortsleiter Walter Delbos aus.

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Aber nicht das viele technische Equipment oder das Können der Helfer hat die Nettetalerin am meisten beeindruckt, sondern das tolle Miteinander in der Gruppe. Ein Helfer berichtete ihr, das THW sei für ihn wie eine zweite Familie. Es herrsche ein super Zusammenhalt. Die Mitglieder bildeten einen Querschnitt durch die Gesellschaft. Egal, was man beruflich mache und darstelle, beim THW stünden alle gleichberechtigt auf einer Stufe. Das fand die junge Nettetalerin sehr wohltuend.

So ganz neu war ihr das THW nicht. Als Kind habe sie schon mit THW-Playmobil-Figuren gespielt. Bei den realen Übungen geht es allerdings schon ernster zu. Auch wenn Marcel Richter, einer von bundesweit 80.000 ehrenamtlichen Helfern, bei der Übung in Recklinghausen keck behauptet: „Für alle, die Spaß an Technik und Helfen haben, ist das THW ein großer Spielplatz.“

Beim THW Nettetal bilden rund 20 bis 30 erwachsene Helfer den technischen Zug. Die elektrische Fachgruppe besteht aus zehn bis 15 Leuten, auch bei der Jugendgruppe machen etwa 15 junge Nettetaler mit. Alle präsentierten sich beim Maus-Tag Anfang Oktober. Auch beim Weltkindertag im September im Ingenhovenpark sorgte das THW für den Strom. Beim Martins-Umzug übernahm es Sicherungsaufgaben.

Zu den immer wiederkehrenden Aufgaben gehört auch die technische Unterstützung bei Katastropheneinsätzen. Mehrfach rückte das THW Nettetal nach Roermond aus, wenn im Nachbarland die Maas übers Ufer getreten war. Auch beim großen Feuer im Yachthafen von Roermond war das THW angefordert worden. Der weiteste Einsatz für die Nettetaler war bisher das Hochwasser an Elbe und Oder. Bei der Tour de France 2017 war das THW in Mönchengladbach eingesetzt. Aber auch im Flüchtlingsjahr 2015 zeigte das THW, was man drauf hat, wenn es darum geht, in kurzer Zeit 150 Betten in einer Unterkunft aufzubauen. Dabei ist das THW Nettetal eher eine kleine Ortsgruppe. An der Steyler Straße in Kaldenkirchen sind zwei Gerätewagen und zwei Mannschaftswagen stationiert, alle im typischen THW-Blau. Jetzt in der Winterzeit ist eher eine Ruhepause angesagt.

Über einen Mitschüler ist Pia Mevissen auf die THW-Akademie aufmerksam gemacht worden. Bundesweit ist das Hilfswerk als deutsche Zivil- und Katastrophenschutzorganisation des Bundes dem Innenministerium zugeordnet. Es steht in Not- und Unglücksfällen der Bevölkerung mit Technik und Knowhow zur Seite, nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland. Dabei werden Helfer und Material von Transportmaschinen der Bundeswehr mitgenommen.

Ob sie selber mal beim THW mitmacht, weiß Pia Mevissen noch nicht. Jetzt stehen Abitur und Studium an. Die junge Nettetalerin will Medizin studieren. Sie denkt dabei an Orthopädie, Unfallchirurgie oder Sportmedizin. Auf die Frage nach dem Warum antwortet Pia Mevissen, sie wolle Sportlern helfen können. Sie selber ist dabei sportlich überaus aktiv. Sie hat Fußball gespielt, auch Tennis, hat Schwimmen und Laufen trainiert, und Basketball ausprobiert. Sie kann Ski fahren und wandert gerne. Auch zur Schule in Grefrath-Mülhausen fährt sie täglich mit dem Fahrrad. Das sind sieben Kilometer hin und zurück. Eine Handvoll Schüler nimmt die Fahrt von 20 bis 30 Minuten auf sich. Dass sie aus Nettetal auspendelt, hat den Grund, dass schon ihr älterer Bruder die Liebfrauenschule besuchte. Angezogen haben sie auch der bilinguale Zweig mit Englisch und der Orchesterunterricht. Ende Mai hofft sie, mit den Prüfungen durch zu sein. An welchen Studienort es sie treibt, weiß sie heute noch nicht.