Nettetal: Patienten hoffen auf Weihnachten zu Hause

Nettetal: Patienten hoffen auf Weihnachten zu Hause

Das Krankenhaus entlässt in diesen Tagen möglichst viele Patienten, damit sie zu Hause feiern können. Das Personal rückt zusammen

Harry Schmitz ist fest entschlossen. Vor Weihnachten will er das Krankenhaus verlassen. "Ich habe Sehnsucht, ich will zurück", sagt der 90-Jährige und zwinkert. Vor einer Woche wurde er mit Schwindel eingeliefert, heute soll sein Arzt entscheiden, ob Schmitz die Festtage tatsächlich mit seinen Bekannten in gewohnter Umgebung im Altenheim verbringen darf.

Ivonne Edmery-Michel plant das Personal über Weihnachten von Tag zu Tag. Für Notfälle stehen Mitarbeiter in Reserve — wie sie selbst. Foto: Senf/Foto: Moreth

Das städtische Krankenhaus am Sassenfelder Kirchweg in Lobberich ist über Weihnachten meistens deutlich leerer als sonst. "Wir versuchen, möglichst viele Patienten zu entlassen, damit sie zu Hause feiern können", sagt Betriebs- und Pflegedienstleiter Norbert Peffer. Die Personalplanung wird von Tag zu Tag angefertigt, für Notfälle stehen Mitarbeiter in Reserve.

Maria Moreth (2.v.r.) verkleidete sich an Weihnachten 1970 als Engelchen. Foto: Maria Moreth

"Die meisten Patienten sind traurig, wenn sie Weihnachten hier verbringen müssen", sagt Ivonne Edmery-Michel, Bereichsleiterin auf der Station 3a (Arthroskopie) und b (internistische und Palliativ-Abteilung). Für 55 Betten hat sie insgesamt 37 Kollegen, die in Schichten arbeiten. Sie versuchen, es für die Patienten feierlich zu machen: "Wir singen viel und versuchen beispielsweise, sie nicht so früh zu wecken", sagt sie. Die 37-Jährige selbst hat bis nach Weihnachten frei. "Wenn es zu viel wird, komme ich aber", sagt die Mutter einer zweijährigen Tochter.

Für ihren Dienst an Heiligabend plant Krankenschwester Claudia ein Frühstück mit den Kollegen. "Ich bastele gerne und möchte es für uns schön dekorieren", sagt sie. Man brauche den Zusammenhalt, sagt Krankenschwester Barbara Skoberla (59). Erst vor wenigen Minuten war ein Mann da, der vor Jahren regelmäßig seine Nachbarin auf der Palliativstation besucht hat. "Der Suppenmann", heißt er, weil er jedes Mal eine Suppe aß. Immer zu Weihnachten und Ostern kommt er ins Krankenhaus. "Er bringt uns Nikoläuse und Hasen aus Schokolade", sagt Skoberla. Die Schwestern haben ihm eine Karte gebastelt.

  • Mönchengladbach : Wenn man Weihnachten in der Klinik feiern muss

"Es sieht so aus, als ob es dieses Jahr über Weihnachten ruhig bleiben könnte", sagt Heike Dörner (49), stellvertretende Stationsleiterin auf der "Inneren", der Station 1b. Es deute sich beispielsweise keine Infektwelle an. Sie hofft, dass von den 38 Betten dann ab morgen nur noch maximal zehn belegt sind.

Krankenschwester Rita Schulz hat über Weihnachten frei, wird aber an Silvester und Neujahr in der Zentralen Patientenaufnahme sein. "Früher war es schnuckliger", sagt die 59-Jährige. Man habe sich auch mal zu Kaffee und Kuchen zusammensetzen können. Dafür sei heute keine Zeit mehr da. "Das Einzugsgebiet ist größer geworden, und die Menschen kommen eher wegen Dingen zu uns, die sie früher selbst auskuriert hätten."

Maria Moreth, die alle als Schwester Mieken kennen, hat Anfang der 70er mit dem Chor für die Patienten gesungen und als Engelchen verkleidet Geschenke verteilt. Heute sei dafür die Zeit zu knapp. "Trotzdem muss man es schön machen", sagt die 63-Jährige. "Viele der Älteren haben ja kein Zuhause mehr." An eine traurige Geschichte erinnert sie sich besonders: "An einem Heiligabend ist auf der Palliativstation eine junge Frau gestorben. Das nimmt man mit nach Hause", sagt Mieken. Für sie ist mit all dem nun Schluss. Gestern war ihr letzter Tag vor der Rente.

(RP)