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Nettetal: Ohne Ehrenamtler springt kein Pferd

Nettetal : Ohne Ehrenamtler springt kein Pferd

Unmittelbar nach einem Turnier beginnen die Vorbereitungen auf das nächste Jahr. Die wachsende Professionalisierung in Lobberich ist nur möglich, weil sich zeitweilig mehr als 60 ehrenamtliche Kräfte einbinden lassen.

"Wir sind auf dem besten Weg hin zur Professionalität", sagt Wilhelm Tobrock. Der Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins (RuFV) blickt auf das 61. Reitsportfestival an der Lüthemühle. Reiter und Pferde geben dem Turnier die sportliche Güte, aber ohne den ehrenamtlichen Einsatz von Frauen, Männern und Jugendlichen wäre es schlicht nicht zu verwirklichen - der Helferinnen und Helfer, unterstreicht Geschäftsführer Leo Hoffmanns.

Die Stunden, die beide mit dem gesamten Team rund um die Vorbereitungen hinter sich haben, zählen sie erst gar nicht. "Es fängt ja schon ein Jahr vorher mit der Ausschreibung an", erklärt Tobrock. Erstmals haben die Lobbericher das Turnier auf zwei Wochenende verteilt. Damit ist das Niveau, das sowieso von Jahr zu Jahr stieg, nochmals eine Stufe weiter gekommen. Es gab weitaus mehr Anmeldungen als in den Vorjahren. Hinzu kam der Wunsch, den Nürnberger Burgpokal für die Dressurreiter nach Nettetal zu holen. "Wir wollten uns mit diesem Turnier noch breiter aufstellen", sagt Leo Hoffmanns. Zwischen zwei Hauptprüfungen fand die Siegerehrung statt. Kleine und große hochkarätige Reiter standen dabei nebeneinander im Mittelpunkt. "Das ist Ansporn für die Kinder", meint Hoffmanns.

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Die Vorbereitung auf das Turnier, das nicht weit von den ganz großen Veranstaltungen in Aachen und Hamburg entfernt ist, verlangt dem Team 16 Tage vollen Einsatz ab, "fast rund um die Uhr", ergänzt Tobrock. In Kernzeiten waren rund 60 Leute mit der detailreichen Vorbereitung befasst. So wurde der Catering-Service am zweiten Turnierwochenende kurzfristig durch das Restaurant-Team der Lüthemühle aufgestockt, um die Gäste mit kulinarischen Köstlichkeiten zu verwöhnen. Stuhl um Stuhl wurde rund um den Parcours aufgestellt, damit es nicht nur Stehplätze gibt.

Vor dem zweiten Wochenende musste der Parcours neu hergerichtet werden. Dazu standen am Mittwoch noch 20 verpackte Hindernisse neben dem Reitplatz. Der Parcourshersteller aus Westfalen richtete auch die Turniere in Aachen, Hamburg und Paris aus. "Das merken sich die Reiter, sie finden hier höchste Qualität vor und kommen gerne wieder", stellt Tobrock fest. Allein für die Technik wurden fünf Mann abgestellt, "vier Netzwerke laufen nebeneinander, heutzutage läuft nichts mehr ohne Elektronik", weiß der Vorsitzende. 15 Computer wurden installiert, die Reiter fanden im eigens aufgebautem Reiterzelt auf Monitoren Regieanweisungen vor. "Warendorf hat entsprechende Systeme zur Verfügung gestellt", so Tobrock. Schwierig wird es bei Nachmeldungen. Die waren bis 18 Uhr am Turniertag möglich, "aber die mussten wir noch freischalten", erzählt Tobrock.

Am Mittwoch vergangener Woche lagen für vier Tage 1601 Meldungen vor, 129 Reiter gingen allein im "Großen Preis" an den Start. "Die Teilnehmer sind international, man hört alle Sprachen", sagt Leo Hoffmanns. Der Regen sorgte in diesem Jahre zusätzlich für Stress. Der Turnierplatz selbst hat zwar ein sogenanntes Ebbe-Flut-System, aber der Platz zum Einreiten musste nach starkem Regen abgesaugt werden. "Das ist Mehr-Arbeit für die ehrenamtlichen Kräfte. Deutschlandweit wird nirgendwo ein Turnier dieser Größe und auf diesem Niveau nur mit Ehrenamtlern gestemmt", betont Hoffmann.

Da ist der RuFV sehr froh, wenn sich Leute, die sonst nichts mit dem Pferdesport zu tun haben, für das Turnier engagieren. Alfred Thönissen, sonst ausschließlich dem Tennisschläger zugeneigt, bepflanzte im Vorfeld der Veranstaltung allein 80 Blumenkästen mit 100 Blumen. Es waren die gleichen Blumen der CHIO Aachen, die derselbe Blumenlieferant in zwei Lkw anlieferte. Besonders dankbar ist der Verein den Sponsoren, ohne deren Hilfe ebenfalls nichts ginge.

(ivb)