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NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst brachte Räder an Nettetaler Schule

Verkehrssicherheit : Junge Radfahrer sicher mobil machen

Im Kampf gegen hohe Unfallzahlen bei radfahrenden Kindern besuchte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst eine Nettetaler Grundschule. Er warb dafür, dass Eltern mit ihren Kindern üben — und um Rücksichtnahme der Autofahrer.

Die schwierigste Übung, sagt Maximilian, sei das Linksabbiegen, und die Klassenkameraden um ihn herum nicken. „Weil es so viele Schritte gibt“, erklärt der Neunjährige. Umsehen, Handzeichen geben, Vorfahrt gewähren, nochmals umsehen, abbiegen, auf Fußgänger achten – und das ist nur das korrekte Vorgehen auf einer schmalen Fahrbahn ohne Einordnen. „Es ist ganz schön viel auf einmal, das Kinder bei der Verkehrserziehung lernen müssen“, sagt auch Hendrik Wüst.

Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister (CDU) besuchte am Dienstag die Katholische Grundschule Nettetal in Lobberich. Dort überreichte er mit Klaus Voussem, Vizepräsident der Landesverkehrswacht NRW, zwölf Fahrräder, 30 Helme und Westen – stellvertretend für insgesamt 218 Räder, 511 Helme und 23 Sätze Westen, die an die Jugendverkehrsschulen in NRW verteilt werden. Die Lobbericher Schule behält zwei der neuen grün-schwarzen Räder, der Rest geht an die anderen Grundschulen im Kreis Viersen.

Für die Viertklässler aus Lobberich kommen die Materialien gelegen. Sie bestreiten am Donnerstag ihre Abschlussprüfung in der Radfahrausbildung. Beweisen sie dabei, dass sie sich als Radfahrer sicher im Straßenverkehr bewegen können, erhalten sie einen Fahrradpass. Doganer ist zuversichtlich: „Wir sind gut vorbereitet“, sagt die Zehnjährige. Dafür zuständig ist Heinz-Dieter Bach, Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht Viersen. Er übt mit den Nettetaler Schülern, achtet darauf, dass ihre Räder verkehrssicher sind und die Viertklässler alle Schritte im Kopf haben.

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Bach berichtet, woran es bei manchen schon direkt zu Anfang scheitere: „Es kommt immer wieder vor, dass Eltern ihren Kindern Räder mit 21 Gängen und oder mehr oder mit einem Rahmen kaufen, der für sie zu groß ist.“ In dem Alter sei das viel zu viel. Die neuen Räder kommen in drei Größen, haben keine Gänge, und die Sättel sind mit einem Schnellverschluss in der Höhe leicht verstellbar. „Kommst Du mit den Fußballen auf den Boden?“, fragt Bach einen der Viertklässler. Der nickt, dann stößt er sich ab und fährt los. Geübt wird zunächst auf dem Schulhof, dann geht es auf die Straße.

Vor drei Jahren war die Zahl der verunglückten Kinder auf Fahrrädern im Kreis Viersen auf ein Rekordhoch in NRW geklettert. Seither sind die Zahlen leicht rückläufig. 2018 verunglückten 52 radfahrende Kinder. In 39,8 Prozent aller 108 Verkehrsunfälle mit Personenschaden mit Kindern verursachte der Nachwuchs den Unfall selbst. „Die Kinder müssen üben“, sagt Verkehrsminister Wüst. „Und es ist wichtig, dass Eltern das nicht alleine der Schule überlassen.“

Ihm selbst habe seine Mutter alles beigebracht. „Auf dem Weg zu unserer Grundschule gab es zwei große Straßen, dort haben wir kräftig geübt“, berichtet Wüst. „Am Ende stand unsere Mutter hinter der Ecke und hat beobachtet, dass wir auch alles richtig machen.“ Den zweiten Appell richtet er an Autofahrer: „Erwachsene sollten sich daran erinnern, dass es Verkehrsteilnehmer gibt, die man wegen ihrer Größe leicht übersieht, die nicht immer an alles denken und die unvorhergesehene Dinge tun können.“

Erst Ende März hatte die Viersener Polizei einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie Eltern dazu aufforderte, gemeinsam mit ihren Kindern Rad zu fahren, damit sich fundamentale Fertigkeiten einprägen. „Der hat richtig eingeschlagen“, berichtet Landrat Andreas Coenen (CDU). Auch er habe sich davon angesprochen gefühlt, berichtet Coenen: „Am Wochenende habe ich direkt mit meinem vierjährigen Sohn die erste Tour nach dem Winter unternommen.“